Bissverletzung

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In diesem Blogartikel geht es um die wichtige Erstversorgung des Vogels nach einem Hunde- oder Katzenbiss. Ich rate ausdrücklich davon ab, sich selbst als “Tierdoktor” zu versuchen, denn ein Biss ist bei einem Vogel (auch bei Wildvögeln!!!) als echter Notfall einzustufen.

Die beste Prophylaxe ist, andere Haustiere und gerade Beutegreifer wie Hunde, Katzen etc. komplett außer Reichweite und Sichtweite der Wellensittiche zu halten.

Meine Hunde bekommen meine Wellensittiche übrigens auch nicht zu Gesicht, denn auch der liebste Hund kann sich mal erschrecken und die Folgen eines versehentlichen Zuschnappens für den Vogel kann sich jeder ausmalen…

Sollte es dennoch einmal passiert sein, muss der Vogel, sofern er noch lebt, innerhalb der nächsten Stunden einem vogelkundigen (!!!) Tierarzt vorgestellt werden. Wellensittiche benötigen oft aufgrund ihrer hohen Körpertemperatur kein Antibiotikum, aber in diesem Fall ist die Gabe über mindestens 5 Tage unerlässlich. Denn in der Maulhöhle von Hunden und Katzen leben für die Wundinfektion bedeutsame Erreger wie Pasteurellen, die im Gewebe gefährliche Infektionen hervorrufen können.

Auch wenn es dem Vogel im ersten Moment gut zu gehen scheint, sollte er dennoch gründlich von einem Tierarzt auf Bissverletzungen überprüft werden und im Zweifelsfall auf jeden Fall ein Antibiotikum bekommen. Die Gabe darf fünf Tage nicht unterschreiten und kann bis auf 14 Tage ausgeweitet werden, weil bei einem zu frühen Abbruch der Gabe entweder die Infektion wie eine Keule zurückkommen kann oder sich Resistenzen ausbilden, die eine zukünftige Behandlung unwirksam machen. Schlägt die Therapie mit dem Antibiotikum nicht an, muss es gegebenfalls gewechselt werden. Eine Tupferprobe aus dem entzündeten Gewebe, die für ein sogenanntes Antibiogramm eingeschickt wird, ist mehr als sinnvoll.

Meinem über 15 Jahre alten Hahn hat das damals das Leben gerettet. Denn seine Wunde heilte nach einer Operation einfach nicht ab und entzündete sich immer wieder und füllte sich mit Eiter. Nach dem Wechsel des Antibiotikums auf Grundlage des Antibiogramms, das die Wirksamkeit der einzelnen Antibiotika-Präparate gegenüber den spezifischen Erregern in der Wunde des Patienten darstellt, lebte er noch fünf Monate bei mir, bevor ich ihn dann aus anderen Gründen erlösen ließ. Und fünf erfüllte Monate können in einem so kurzen Vogelleben verdammt viel Unterschied machen, oder?

Das ist der besagte Hahn nach seiner zweiten Operation, als er schon über zehn Jahre bei mir lebte. <3

Außenvoliere

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Der Monat Juli erscheint mir als der perfekte Monat, um Vögel in eine Außenvoliere einzugewöhnen. Die Tage sind lang, die Nächte warm und so kann auch ein gesunder Vogel aus Wohnungshaltung sich langsam an das Leben an der frischen Luft gewöhnen, bevor der kühle Herbst beginnt.
Frische Luft ist für die Vögel natürlich ebenso gesund wie für uns Menschen. Ein eindeutiger Vorteil, gerade für Tiere mit Atemwegserkrankungen.
Die Sonne ist natürlich auch ein toller Aspekt, wenn man die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der UV-Strahlung bedenkt. Mehr dazu hier: https://lebensdienlich.de/vitamin-d-und-calcium/


Viele Wellis lieben es auch, im Regen zu baden, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und im Winter selbst bei größter Kälte im Schnee zu sitzen.
Das hört sich alles wunderbar und tiergerecht an, doch es gibt auch Einiges zu beachten, um die Vögel vor Gefahren zu schützen. Schon der Volierendraht birgt erste Risiken, denn er sollte nicht verzinkt sein, da die Vögel durch eine Aufnahme von Zink sehr krank werden können.
Desweiteren sollte der Boden im Idealfall entweder eine feste Bodenplatte haben oder ein stabiler Draht in einer gewissen Bodentiefe verlegt werden, damit sich keine ungebetenen Gäste wie Marder Zutritt verschaffen können.
Ein im Winter beheizbares und gut isoliertes Schutzhaus sollte ebenfalls eine Selbstverständlichkeit sein.
Meist ist auch ein Windschutznetz oder ähnliches nötig, damit die Vögel nicht permanent Zugluft ausgesetzt sind.
Die Voliere sollte auch, wie ihr Name schon sagt, genügend Raum auch für längere Flugstrecken bieten. Das lastet nicht nur aus und gehört zu den Grundbedürfnissen eines Vogels, sondern dient auch über die Belüftung der Luftsäcke der Gesunderhaltung und im Winter dem Aufrechterhalten der Körpertemperatur. Denn wir wissen ja alle – Bewegung macht warm. 😉
Ebenfalls muss man sich über ein kluges Schleusensystem Gedanken machen, da hier der kleine Freund eben nicht nur ins Nebenzimmer entwischt, wenn er durch die Tür flutscht, sondern sofort ungeschützt den Gefahren außerhalb der Voliere ausgeliefert ist.
Mir ist bis jetzt kein Wellensittich bekannt, der lange Zeit draußen überlebt hätte. Ist er so smart und findet in den Sommermonaten Futter und Wasser zum Überleben, bekommt er spätestens bei Einbruch der Kälte oder durch Greifvogel- oder Katzenkontakt ernsthafte Probleme.

Aber auch in der Voliere lauern Gefahren.
Eine intelligente Lösung zum Schutz vor Wildvogel- und Mäusekot kann unseren Ziervögeln das Leben retten. Denn sie können durch Erreger, die ihren wilden Mitbewohnern kaum schaden, ernsthaft krank werden oder sogar sterben.
Auch wäre es klug, sich über die Nachbarn Gedanken zu machen. Leider fühlen sich manche Menschen durch das Vogelgezwitscher gestört. Meine Wellis legen mit der Dämmerung los, was in den Sommermonaten, wo wir alle gern mit geöffneten Fenstern schlafen, wirklich verdammt früh sein kann.
Ich halte es daher für ratsam, das im Vorfeld mit den Nachbarn abzuklären und sich das Einverständnis schriftlich geben zu lassen.
Eine angebrachte Kamera zur Überwachung (mit Hinweisschild) kann auch abschreckend wirken, sodass auf diese Weise eventuell unschöne Erfahrungen abgewendet werden können.

Nichtsdestotrotz wünsche ich mir auch für meine Vögel für die Zukunft eine Außenvoliere, die ebenerdig über mein Vogelzimmer erreicht werden kann. Das passende Haus dafür muss entweder erst noch gebaut werden oder renoviert werden. 😉
Egal, in meinem Kopf ist es so real, als würde ich mit meinen Tieren schon drin leben. 😍
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die meine Beiträge lesen, Herzen verteilen oder sogar ihre Freunde über das Teilen meiner Beiträge auf meine Arbeit aufmerksam machen! Ihr seid so toll! Danke, dass ihr ein Teil davon seid, meinen Weg zu gehen!

Wellensittiche in Paarhaltung oder im Schwarm halten?

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Als Paar glücklich im Schwarm: Henry und Hilde

Noch vor ein paar Jahren sagte ich mit verträumten Blick zu meinem Mann: „Irgendwann möchte ich einmal 20 Wellis haben und die sollen ihr eigenes Zimmer haben.“
Heute ist dieser Traum Realität und trotzdem weiß ich noch, wie es war, als ich 2,3,7 oder später 14 Wellis hatte.
Die Faszination wuchs mit steigender Anzahl der Schwarmmitglieder.
Während zwei oder drei Wellensittiche irgendwie miteinander klarkommen müssen, besteht ab 5 Tieren schon die Möglichkeit, sich seinen Partner gewissermaßen auszusuchen.
Ab 10 Tieren stellte ich dann auch die Bildung von Freundschaften und kleinen Grüppchen fest.
Seitdem ist die Begeisterung für diese Tiere ins Unermessliche gestiegen. Je mehr Wellis in artgerechter, beschäftigungsreicher und natürlich vogelsicher eingerichteten Umgebung gehalten werden, desto mehr ist ihr natürliches Schwarmverhalten zu beobachten.
Ich liebe es, die Interaktionen zu beobachten und wie Streitigkeiten gelöst werden ohne dass es in der Regel zu Verletzungen kommt.
Wie ein Neuankömmling begrüßt wird, er sich langsam in die Gruppe integriert und seinen Charakter entfaltet, ist für mich das Schönste überhaupt in meinem Alltag mit den Wellensittichen.
Erst im Schwarm und durch den Vergleich mit den Verhaltensmuster vieler verschiedener Charaktere wurde mir bewusst, wie einzigartig jede einzelne dieser kleinen Persönlichkeiten ist.
Dass es Wellensittiche gibt, die ihre Partner stets in der gleichen Farbe wählen und andere, die sich eher von dem gleichen Geschlecht
angezogen fühlen. Wieder andere suchen nach Alter oder Handicap aus.
Dies alles habe ich erst gelernt, seitdem ich einen großen Schwarm habe und dadurch die Möglichkeiten hatte, die einzelnen Individuen zu beobachten und kennenzulernen.
Mir ist bewusst, dass nicht jeder die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten hat, auf diese Weise Wellensittiche zu halten, jedoch kann ich es jedem empfehlen, dem es möglich ist.
Dazu kommt, dass er damit noch ein gutes Werk tun kann, denn die Zahl der Abgabevögel ist groß. Ich nehme am Liebsten von Privatpersonen auf, denen das Wohl ihres Schützlinges auch weiter wichtig ist oder nehme Wellis auf, die aus den verschiedensten Gründen schon lange im Tierheim sitzen und kaum eine Vermittlungschance haben.
Jedem Wellensittichhalter empfehle ich aber, diese Schwarmtiere nicht in Paarhaltung, sondern zumindest zu viert, besser zu sechst zu halten. Sechs Tiere gelten meines Wissens nach auch noch als normale Anzahl und dürfen deswegen auch in Mietwohnungen gehalten werden. Nichtsdestotrotz würde ich mich in diesem Fall rechtlich absichern und mir von dem Vermieter eine schriftliche Erlaubnis geben lassen. Im Idealfall lässt man diese sich auch von den Nachbarn aushändigen.
Denn es gibt leider Menschen, die sich von Vögeln, die von abends um 9 Uhr bis morgens um 6 Uhr strikte Nachtruhe einhalten, mehr gestört fühlen, als von Kindern, die trampeln, schreien und toben und das gerne auch mal nachts um halb vier.
Ich jedenfalls habe meine Geräusche absorbierenden Kopfhörer in meiner Staatsexamensphase nicht wegen meiner Wellensittiche angeschafft, sondern wegen des tag- und nachtaktiven Kindes in der Wohnung über mir.
Leider wird dies aber in unserer Gesellschaft immer noch mehr geduldet als die Tierhaltung. Deswegen: habt so viele Wellis, wie ihr es leisten könnt, aber sichert euch zum Wohl der Tiere bitte in alle Richtungen ab!

Wie ich zu meinem ersten Wellensittich kam…

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Wellensittiche bestimmen mehr und mehr mein Leben. Grund genug, mir Gedanken darüber zu machen, wie meine Leidenschaft für die munteren Kobolde eigentlich begann.

Eigentlich bin ich zu den Sittichen durch ein Missverständnis gekommen. Meine Mutter adoptierte zwei Nymphensittiche samt Käfig aus dem nahegelegenen Tierheim, weil meine Oma den Wunsch nach Vögeln zum Beobachten geäußert hatte. Nur meinte meine Oma Wildvögel, die sie gerne vom Bett aus am Fenster beobachten wollte. Man hätte dies sicher einfach mit einer Futterstation realisieren können, nur war vor 17 Jahren die ganzjährige Wildvogelfütterung noch nicht verbreitet.

So zogen “Romeo und Julia” aus dem Tierheim Schwebheim ein. Die beiden waren laut, was aus meiner heutigen Sicht kein Wunder war, so waren sie doch in einem reizarmen Käfig ohne Freiflug (wegen der teuren Möbel) untergebracht. Das einzig Positive war, dass sie wenigstens zu zweit waren.

Soweit ich mich erinnere, konnte meine Oma auch keinen rechten Draht zu den Vögeln aufbauen, was auch daran gelegen haben mag, dass ihr Tod nur einige Monate entfernt war.

So hatte ich nun als Teenager die Vögel meiner Oma “geerbt” und sie taten mir irgendwie sehr Leid, dass sie nun komplett alleine im Wohnzimmer meiner Oma ausharren mussten. Der Versuch, sie in unser Familienleben zu integrieren, in dem sie in unsere Wohnküche umzogen, schlug fehl, da meine Mutter hochgradig allergisch auf den Gefiederstaub reagierte. Denn Nymphensittiche produzieren im Gegensatz zu Wellensittichen sehr viel Gefiederstaub, weil sie sogenannte Puderdunen besitzen, deren Spitze permanent in Staub zerfällt und so zur Gefiederpflege und wasserabweisenden Wirkung beiträgt. Wellensittiche haben auch Puderdunen, aber sehr viel weniger, weil bei ihnen die Bürzeldrüse stärker ausgeprägt ist, deren Sekret einen ähnlichen nützlichen Effekt für das Gefieder hat.

Nach einigen Wochen weiteren traurigen Vegetierens entschieden wir uns für die Abgabe in einen Wildpark, der einen großen Schwarm Nymphensittiche in einer Außenvolieren hielt. Wir durften die Beiden dort gegen eine Futterspende abgeben. Ob die zwei Hübschen dort wirklich ein glückliches Leben hatten oder nicht sogar wieder in eine ähnliche Haltung wie bei uns weitervermittelt wurden, kann ich nicht abschließend beurteilen. Ich hoffe, sie hatten es besser als bei uns.

Einige Wochen später fingen zwei Arbeiter, die das Schlafzimmer meiner Eltern umbauten, einen jungen, weißen Wellensittich auf der Fensterbank. Da wir den Käfig der Nymphen behalten hatten, zog nun die scheue Lara in unsere Wohnküche. Auch diese Tatsache lässt mir heute einen kalten Schauer über den Rücken laufen, weiß ich doch nun, wie gefährlich dieser Raum für ALLE Vögel sein kann. Sei es durch Rückstände von Reinigungsmitteln oder beschichteten Pfannen – derartige Ausdünstungen können bei Vögeln, auch im Nebenraum, mit geschlossenen Türen und geöffnetem Küchenfenster- zu einem qualvollen Ersticken innerhalb weniger Minuten führen.

Wie meine ersten Wellensittiche ihr erstes Lebensjahr bei uns in der Küche überlebt haben, kann ich nicht beantworten, würde es aber aufgrund zahlreicher bekannter Todesfälle (einfach mal googeln) auch nicht mehr ausprobieren. Und auch die fettigen Dämpfe beim Kochen, waren für die empfindlichen Vogellungen sicherlich keine Wohltat. Solltest du also jemanden kennen, der seine Vögel immer noch in der Küche hält oder in einem direkt angrenzenden Raum, kläre ihn bitte auf und mach es somit besser als ich damals! Das rettet unter Umständen Leben!

Desweiteren hätten wir Lara auch nicht einfach behalten dürfen. Wir haben damals bestimmt rumgefragt, aber eigentlich wäre eine Abgabe ins Tierheim angebracht gewesen, da es sich auch bei zugeflogenen Fundvögeln um eine Fundsache handelt, die man nicht einfach als fremdes Eigentum behalten darf.

Da sich Lara partout nicht zähmen ließ, ja auch wir erlagen damals dem Irrglauben, dass man Wellensittiche besser in Einzelhaltung zähmen kann, zog im Dezember der blaue Koko aus dem Zooladen ein. Mmh, richtig mitgezählt. Man kann mit meinem Beginn meiner Vogelhalterkarriere Bullshit-Bingo spielen. Check, beliebter Fehler, check, nächstes nogo….

Aber deswegen schreibe ich dir das ja alles auf. Damit du es von Anfang an besser machen kannst oder anderen Menschen in deinem Umfeld helfen kannst, den Vögeln von vornherein ein möglichst schönes Leben zu ermöglichen.

So lebten also die ersten beiden Wellensittiche bei uns. Zugegeben, ich fand sie ziemlich langweilig. Das lag aber nicht an den Tieren, sondern an unserer miserablen Haltung.

Als Koko einige Monate später bei der Urlaubsbetreeung verstarb, zog der von ihr ausgesuchte Kimba von einer Vogelbörse ein. Kimba war bestimmt schon uralt und passte überhaupt nicht zu unserer Lara.

Daher entschied ich nach dem Umzug der Wellensittiche in mein Zimmer, dem ausgebauten Dachboden, dass noch zwei weitere Wellensittiche aus dem Tierheim einziehen sollten. Meine Mutter ermahnte mich, den kränksten und hässlichsten Wellensittich zu adoptieren. Diese Worte sollten eine solche Wirkung haben, sodass ich seitdem bei den Abgabewellis, die auch oft nicht dem Schönheitsstandard entsprechen, geblieben bin.

Mit dem Minischwarm, einem neuen passenden Käfig und zunehmend wellifreundlich gestalteter Umgebung, wuchs spätestens mit dem Einzug zwei weiterer Wellensittiche (ebenfalls aus dem Tierheim) die Faszination für das Schwarmwesen Wellensittich, der ich bis heute erlegen bin.

 

 

 

 

Polyoma, Circo und Co.

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Irgendwie habe ich das Gefühl, ich müsste meine Meinung zu einem bestimmten Thema in die Welt hinaus schreien.

Ok, fangen wir mit dem Schreiben an. Und ich betone, dass dies meine Meinung ist, die aus meinen Erfahrungen in der Wellensittichhaltung seit 2002 resultiert und auch viel mein gesundes Bauchgefühl widerspiegelt.

Seitdem im Jahre 2012 die Psittakose-Verordnung aufgehoben wurde und nun wirklich JEDER Wellensittiche vermehren kann, habe ich das Gefühl, dass Wellensittiche zur Ramsch-Ware degradiert wurden, als billige Wegwerfobjekte, so wie es schon vielen anderen Arten vorher ergangen ist oder noch ergehen wird.

Und das Vermehren der hübschen Australier ist nicht wirklich schwer. Nein, eher habe ich das Gefühl, dass es die hohe Kunst ist, die kleinen “Biester” vom Eierlegen abzuhalten! Denn mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass ich einige wirklich erfahrene Vogelhalter kenne, die von ihren Wellis ausgetrickst wurden und bei denen wider aller Erwartungen (warum? darauf komme ich später) nun ein quietschfideles Vögelchen herumflitzt, das auf keinen Fall geplant und auch nicht gewollt war.

Was habe ich schon gebangt und gehofft, den Kampf verloren, experimentiert, ausprobiert, recherchiert, um meinen Hennen (und Hähnen!) klarzumachen, dass es genügend kleine, aber hochintelligente Individuen gibt, die sehnsüchtig auf ein Zuhause warten, in dem sie verstanden, fachkundig versorgt und in Gemeinschaft leben können und sie daher keine (zugegeben niedlichen) Wunder in Form von Welliküken in die Welt setzen müssen.

Dieses wilde Vermehren durch Menschen, die in dieser “Zucht” den Profit und nicht das Wohl der Tiere wollen, hat meiner Meinung nach dazu geführt, dass eigentlich seltene Erkrankungen nun allgegenwärtig sind und es “saubere” Bestände vielleicht gar nicht mehr gibt.

Am harmlosesten ist da wahrscheinlich noch Macrorhabdus ornithogaster, ein Hefepilz, der sich in den Ausführungsgängen der salzsäureproduzierenden Belegzellen in der Magenschleimhaut einnistet und somit zu Verdauungsproblemen führt. Auch ich habe zwei Vögel deswegen verloren, bin aber mit der Meinung, dass dieser Hefepilz nur eine Chance hat, wenn der Vogel noch ein anderes gesundheitliches Problem hat und nicht alleine zum Tod führt. Bei meinem “Kobold” war dies beispielsweise ein Tumor im Ausgang des Drüsenmagens, der zu Passageschwierigkeiten führte und sich so der Hefepilz durch das verlängerte Verbleiben des Speisebreis (Chymus) optimal vermehren konnte.

Doch nun zu meinem eigentlichen Thema, das in den Vogelgruppen gefühlt immer regelrechte Panikattacken bewirkt.

Die Rede ist von den Gefiedererkrankungen, verursacht durch Viren, daher nicht heilbar. Denn im Heimtierbereich gibt es kaum Prophylaxe in Form von Impfungen. Ob es daran liegt, dass “man es nicht hinbekommt” oder doch eher daran, dass die Pharmaunternehmen nicht mehrere Millionen in die Entwicklung eines Impfstoffes für ein “paar” nicht für den Verzehr brauchbare Wellensittiche stecken wollen, kann ich nur mutmaßen.

Die Polyomaviren sind die vermeintlich harmloseren, denn sie führen “nur” zu erhöhter Jungvogelsterblichkeit und bei einigen Vögeln zu dauerhafter Flugunfähigkeit, weil die Schwungfedern der Flügel und die Schwanzfedern nicht richtig wachsen (auch Großgefieder genannt). Diese Flugunfähigkeit hat dieser Erkrankung verschiedene Namen eingebracht, wie Renner- oder Hopserkrankheit oder auch französische Mauser.

Die fieseren Kandidaten sind die Circoviren, denn sie befallen auch die lymphatischen Organe und führen somit zu einer Leukopenie, einer drastischen Verminderung der weißen Blutkörperchen, die so wichtig für eine intakte Immunabwehr sind.

Somit leiden diese Vögel neben der schlechten Befiederung sehr oft an sogenannten Sekundärinfektionen, die für ein gesundes Immunsystem häufig kein Problem darstellen würden. Der Organismus wird also mit einem weiteren (oder mehreren) Erreger(n) zusätzlich zu der Circovirusinfektion infiziert.

Um das so geschwächte Immunystem zu unterstützen, gebe ich meinen Vögeln täglich verdünnten Cistustee, dem ich wertvolle Aminosäuren zusetze, die die oft geschädigte Leber nicht mehr in ausreichender Menge synthetisieren kann. B-Vitamine und Mariendistel ergänzen das Ganze.

Warum Cistustee? Ihm wird nachgesagt, dass er “gut gegen Viren” ist. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber ich habe ein gutes Gefühl, meine Vögel trinken ihn gerne und er übertüncht den Geschmack der Zusätze im Trinkwasser.

Ein wesentlicher Punkt ist auch die Stressvermeidung. Daher leben meine (symptomatischen) Circovirenträger in einer eigenen ruhigen Voliere mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten, in der sie auch ihr erhöhtes Schlafbedürfnis befriedigen können.

Hört sich alles irgendwie unschön an und will sicher nicht jeder mitmachen, zumal diese Vögel aus genannten Gründen keine besonders hohe Lebenserwartung haben. Ich habe mich mittlerweile irgendwie ans Abschied nehmen gewöhnt, auch wenn es jedes Mal wieder schmerzt. Aber in einer Pflegestelle wie meiner, wo es viele Handicap-Tiere und Senioren gibt, ist ein- bis zweimal im Monat Abschiednehmen traurige Tagesordnung.

Wie kann ich mir denn nun sicher sein, auf gar keinen Fall einen infizierten Vogel bei mir aufzunehmen? Wo bekomme ich denn “saubere Tiere”?

Meiner Meinung nach gibt es sie nirgendwo mehr mit hundertprozentiger Sicherheit. Denn wo kommen unsere niedlichen Hausgenossen eigentlich her? Vom “Züchter”, Zoohändler, Nachbarn? Oder anders – war nicht jeder schonmal in einer Tierarztpraxis? Im Zoo? Im Vogelpark? Bei Freunden mit Vögeln zuhause? Oder am Schlimmsten auf einer Vogelbörse als Schmelztiegel für alle Erreger, die unsere Australier befallen können? Was passiert im Urlaub? Wird der Vogel bei anderen Vogelfreunden, im Tierheim oder sogar in einer Vogelpension abgegeben? Oder hat schlichtweg einen gebrauchten Käfig gekauft oder übernommen? Denn viele Erreger können über viele Monate oder sogar Jahre hinweg auf unbelebten Vektoren, zu der Kleidung ebenso wie Käfigeinrichtung, Fußböden, etc. gehören, überleben. Also nicht nur die belebten Vektoren, in dem Fall die Vögel, können fröhlich übertragen, nein auch alles andere vermeintlich saubere, da eine Desinfektion meist auch unwirksam ist. (s.u.)

Die obige Liste ist sicherlich nicht vollständig, soll sie auch nur aufzeigen, dass keiner davon ausgehen kann, noch nie mit diesen Erregern in Kontakt gekommen zu sein und deswegen auch nicht davon auszugehen ist, dass die eigenen Tiere nicht infiziert sind. Was aber auch dann nicht immer zum “worst case” führen muss. Ja, es gibt diese armen Kreaturen, fast nackt und mit denkbar schlechtem Immunsystem, aber ich habe auch positiv getestete Tiere von verantwortungsbewussten Haltern übernommen, die wunderschön befiedert sind und es ihnen keiner ansehen kann, dass sie Träger dieser Viren sind.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber dennoch. Je älter ein Vogel ist, desto geringer ist seine Wahrscheinlichkeit, selbst zu erkranken, da das Immunsystem einfach stabiler ist. Das ist doch eine gute Nachricht für die vorhandenen Vögel bei einer Neuaufnahme oder für den Neuzugang, wenn er ab 3 Jahren in eine bereits infizierten Bestand vermittelt wird.

Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt seinen Neuzugang vorher von einem vogelkundigen Tierarzt testen. Den Vogel bei einem positiven Virennachweis dann aber abzugeben, macht nur Sinn, wenn eine strikte Hygiene eingehalten wurde und kein Luftaustausch, keine Hausschuhe etc. von dem Neuling zu den Altvögeln getragen wurde. In einem Privathaushalt meiner Meinung nach quasi unmöglich.

Da ich schon immer Tiere aus Tierheimen und von Privatleuten übernommen habe, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass mein Schwarm ohnehin infiziert ist (wie meiner Meinung nach quasi alle Schwärme). Denn nur ein positiver Virentest ist aussagekräftig, ein negativer nicht. Und viele Tierärzte wissen auch immer noch nicht, wie man korrekt die Proben dafür entnimmt. Abgesehen davon spielt die Sensitivität und die Sensibilität der Tests eine große Rolle. Es wäre für uns Tierärzte ein Traum, wenn jeder Test gleich spezifisch und sensibel wäre. Doch das gibt es nicht. Ein Test ist immer nur sensibel oder spezifisch.

Das meint, dass bei einem spezifischen Test genau der gesuchte Erreger erfasst wird und ein ähnlicher nicht angezeigt wird, weil ja spezifisch gesucht wird. Dafür sinkt dann die Wahrscheinlichkeit, dass ein infiziertes Tier als tatsächlich positiv getestet wird. Denn damit andere ähnliche Erreger kein positives Ergebnis auslösen, leidet die Sensibilität.

Ist ein Test hingegen besonders sensibel, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein infiziertes Tier auch als positiv getestet wird, sehr viel höher. Darunter leidet dann aber die Spezifität. Das meint, dass das Tier vielleicht mit einem genetisch ähnlichen, aber harmlosen Erreger infiziert ist, mit dem gesuchten hingegen nicht, das Ergebnis aber dennoch positiv ist, weil einfach eine ähnliche Proteinstruktur gefunden wurde.

Sinn dieser ganzen naturwissenschaftlichen Ausführung ist es, klarzumachen, dass selbst ein negativ getesteter Schwarm infizierte Trägervögel beinhalten kann.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin nicht dafür, wild Tiere aufzunehmen und somit die Menge der Infizierten zu vergrößern. Dies gilt besonders, wenn eine zukünftige Abgabe nicht ausgeschlossen werden kann. Sei es wegen einer Trennung, Desinteresse an der Tierhaltung, Ärger mit dem Vermieter etc. Sicherlich besteht auch bei mir keine hundertprozentige Sicherheit, doch durften in den 22 Jahren, in denen ich Tiere halte, alle bis an ihr natürliches Ende bleiben.

 

Wo wir uns jetzt so schön wissenschaftlich warmgedacht haben, kommen wir zu den biologischen Hintergründen der Desinfektion:

Beispielweise Circoviren weisen als unbehüllte DNA-Viren eine sogenannte hohe Umwelttenazität auf. Man kann sie nur mit sehr wenigen Desinfektionsmitteln deaktivieren, das heißt, man kann sie sogar über gewaschene Kleidung übertragen. Denn die fehlende Proteinhülle sorgt dafür, dass sie weder durch Tenside (z.B. Waschmittel) noch durch Hitze denaturiert werden können und somit infektiös bleiben.

Lasst uns mit diesem Hintergrundwissen mal einen Tierarztbesuch rekonstruieren:

Gibt es immer die gleichen Handschuhe zum Fangen oder werden Einmalpapierhandtücher verwendet? In welche Box wird der Vogel zum Wiegen gesetzt? Sind das solche Pappboxen oder wird der Vogel mit der Tara-Funktion in der eigenen Box (mit den bestandsspezifischen Erregern) gewogen?

Gibt es für jeden Patienten ein eigenes Wartezimmer oder sitzen doch alle Wartenden recht eng beeinander, dass über Luft und Staub prinzipiell eine Übertragung denkbar wäre? Das nach jedem Einzelnen gründlich desinfiziert wird?

Zieht sich der Tierarzt nach jedem Patienten komplett um und duscht (was ja aber auch nur das Risiko minimieren und nicht eliminieren würde, wie wir gelernt haben…)? Wohl kaum! Somit kann die Übertragung jederzeit und überall stattfinden. Und genau das ist der Grund, warum ich so entspannt geworden bin.

Jetzt nicht mehr zum Tierarzt gehen? Keine gute Idee, denn wie oben angesprochen hatte doch jeder, der ehrlich zu sich ist, irgenwann schonmal Kontakt zu anderen Vögeln. Der Besuch im Zoo? Der Kaffeklatsch bei der Freundin mit den Wellis im Wohnzimmer?

 

Meine persönliche Erfahrung ist:  in meinem Vogelzimmer sitzen einige Kandidaten, die von den Vorbesitzern auf Viren getestet wurden und tatsächlich PBFD positiv sind. Diese Vögel haben ein glänzendes, schillerndes Gefieder und sind putzmunter. Ebenso wie die Vögel, die nicht getestet, äußerlich gesund sind und nun nachweislich Kontakt mit den “Killer”- Circoviren haben.

Ich bin der Meinung, es gibt leider immer mehr Einzelfälle, denen die Viren gehörig zusetzen. Es gibt aber ungleich viele mehr, die lebenslang symptomlos Träger dieser Viren sind (und diese auch ausscheiden!!!) und so von Bestand zu Bestand verbreiten. Denn oft landen “Wanderpokale” bei mir, die hier ein endgültiges Zuhause finden.

Ich lese auch leider oft von Haltern in Vogelgruppen, die ihre Tiere regelmäßig aus den unterschiedlichen Gründen austauschen.

Auch bei den “Züchtern” wird oft “frisches Blut” hereingeholt und haben Sie sich schonmal gefragt, aus wievielen unterschiedlichen Quellen die Tiere in die sicher immer frisch desinfizierten (sicher nicht, warum auch!?) Schaukäfige in den Zoohandlungen gesteckt werden?

 

Mein kritischer Artikel soll dazu ermutigen, sich selbst Gedanken zu machen, genau zu hinterfragen und ein bisschen den Druck, die Angst und den Stress zu nehmen. Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich sagen, dass es mir besser geht, seitdem ich keine Angst mehr haben muss, mir etwas einzuschleppen, weil ich es nachweislich im Bestand habe und bis zum heutigen Tag auch keine negativen Auswirkungen auftraten. Es blieb alles beim Alten und wüsste ich nicht um diese Erkankungen, würde ich davon ausgehen, dass meine Tiere alle “gesund” sind. Und das sind sie doch auch, oder? Denn bei den allerallermeisten ist das Immunsystem stark genug, um die Viren und alles andere in Schach zu halten, wodurch diese Vögel niemals erkranken, sprich nie Symptome auftreten und sie “pumperlgesund” alt werden (abgesehen von den natürlichen Alterserscheinungen und den Folgen der ständigen Inzucht auf Aussehen durch Laien, s.o.).

Persönlich am meisten erstaunt hat mich, dass in Beständen, in denen nachweislich diese nicht zu unterschätzenden Viren ihr Unwesen treiben, junge, gesunde, kräftige Küken geboren werden und auch ohne irgendwelche Probleme nicht nur großwerden, sondern auch alt werden.

Was mich zu dem Gedanken gebracht hat, dass wohl auch jeder “gute Züchter” (kein “Vermehrer”!!!) nicht virenfrei sein wird und durch seinen Verkauf zu einer flächendeckenden Verbreitung beiträgt. Dass immer mehr offensichtlich erkrankte Vögel auf dem Markt auftauchen, leite ich als Folge der zunehmenden Massenproduktion von Wellensittichen ab, die ja seit 2012 in jedem Wohnzimmer und in jedem Hinterhof legal stattfinden kann. Wo mehr Vögel sind, ist es einfach Statistik, dass auch mehr Erkrankte auftreten.

Dazu trägt dann natürlich noch bei, dass einem durch dieses massenhafte Vermehrung Wellensittiche quasi hinterher geworfen werden und sich viele Menschen, diese anspruchsvollen kleinen Papageien unüberlegt anschaffen und schnell wieder weiterreichen und damit auch die Erreger.

Meine Konsequenz aus der ganzen Misere ist, dass bei mir nur noch mindestens zweijährige Vögel einziehen, da sich mit zunehmendem Alter die Infektionswahrscheinlichkeit verringert. Meine Tiere haben bei mir wie bereits erwähnt ohnehin Endplätze, sodass von mir aus zumindest über eine nicht stattfindende Weitervermittlung nichts übertragen werden kann. Zoos und Tierparks meide ich, aber die Übertragung in einer Tierarztpraxis liegt außerhalb meines Kontrollbereiches. Wobei ich auch hier nicht wissen will, was ich mir schon bereits in der Vergangenheit unwissentlich mit nach Hause genommen habe, einfach weil niemand von dieser Problematik wusste und man bei bestimmten Erregern gar nicht von der Möglichkeit einer Übertragung ausging.

Ich mache meinen Tieren jeden Tag auf dieser Erde so schön wie möglich und bin einfach dankbar für jeden Augenblick, den wir gemeinsam haben. Denn fest steht, dass wir alle eines Tages sterben werden. Die Frage ist nur, woran… wir Federlose an den Vogelviren zumindest nicht! 😉

 

 

Lilli – mein Herzensvogel

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Meine liebe Lilli, am 27.11.2017 hat deine kleine Seele diese Erde verlassen. Es war so hart für mich, dass ich dir nicht mehr helfen konnte. Zwei Stunden nach unserem Tierarztbesuch bist du eingeschlafen. Ich habe deinen leblosen Körper noch eine ganze Weile in meinen Händen gehalten, bin mit dir durchs Haus gegangen, auf der Suche nach einem würdigen “Sarg”. Ich konnte mich nicht von dir trennen, hab dein unglaublich weiches Gefieder unaufhörlich gestreichelt, während meine Tränen flossen, wie sie es auch tun, während ich dies hier schreibe.

Vom ersten Moment an, hat mich dein Auftreten und dein Blick zutiefst im Herzen berührt. Du zogst im Oktober 2015 bei uns ein, als erster wirklich komplett flugunfähiger Wellensittich. Zuvor lebte bei mir nur eine sehr schlechte Fliegerin, Lillith, die wie du für immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben wird.

Wer mich kennt, weiß, dass ich alle meine Tiere sehr liebe, aber es gibt unter ihnen welche, die mein Herz besonders berührt haben. Oft sind es gerade die Sorgenkinder und auch welche, die gar nicht so lange bei mir leben/lebten.

Lilli, die zwei Jahre mit dir kommen mir vor wie eine Ewigkeit. Es war wunderschön und ich habe jedesmal innerlich gelächelt, wenn ich deinen hellgrünen Leuchtfleck fröhlich zwischen den anderen aufblitzen sah. Du warst immer freundlich, nie streitlustig wie andere Hennen und einfach froh, in Welligesellschaft leben zu dürfen.

Ich übernahm dich von einer Wildtierauffangstation, die mit der zusätzlichen Pflege von Haustieren überfordert war und dich aus der Einzelhaltung in einem Altenheim befreit hatte. Wie alt du wirklich warst, weiß daher niemand. Ich vermute, dass deine schwere Erkrankung doch das Ende eines langen Lebens war, da du zunehmend mehr Probleme mit der Mauser bekamst, je länger du hier lebtest. Es ist für mich nur ein schwacher Trost, dass du kein junger Hüpfer mehr gewesen sein musst. Du hinterlässt hier einerseits eine große Lücke, hast andererseits damit irgendwie Platz gemacht für eine Idee, die ich 2016 wieder verworfen hatte. Nun wird sie langsam konkreter und meine Begierde, gerade den gehandicapten und alten Wellensittichen ein Zuhause zu geben, wurde eigentlich nur noch größer.

Ich brauche auch die jungen und unkomplizierten Vögel um mich, da ein Schwarm aus lauter Sorgenkindern auch meine Psyche überlasten würde. Doch mein Herz schlägt für die Benachteiligten und es ist mein ständiges Bestreben, ihnen ihr Leben so schön wie möglich zu machen und endlich Lebensqualität nach oft so langer Zeit schlechter Haltung zu bieten.

Lilli, du hast mich inspiriert. Du hast mir gezeigt, wie man die im übertragenen Sinne, hier aber auch wahrhaftig große Liebe leben kann. Deine Wahl fiel auf den Standardhahn Käuzchen, der sich mit dir das Schicksal der Flugunfähigkeit teilte. Er hat dich sofort ins Auge gefasst bei seiner Ankunft und kletterte zielstrebig auf dich zu. Mir wurde Angst und Bange, als sich dieser riesige Vogel deiner zierlichen Gestalt näherte. Doch ich wurde eines Besseren belehrt und ihr wart ab sofort unzertrennlich. Nachts schlieft ihr beide eng aneinander gekuschelt, eher verschmolzen. Etwas, das ich sonst nur bei Kojo und Lina beobachten konnte, die beide mit dir zusammen einzogen. Auch Lina, die ihr ganzes Leben lang unter einer schweren Organerkrankung litt, ist kurz vor dir gegangen.

Es ist so traurig, euch nicht mehr täglich um mich zu haben, auf der anderen Seite macht ihr Platz für neue inspirierende Wegbegleiter. Ich danke euch dafür. Gerade diese kurze Zeit möchte ich nicht missen. Wärt ihr nicht gewesen, gäbe es die Welliwg in dieser Form gerade nicht und ich hätte keine Visionen, wie meine Haltung zukünftig aussehen soll.

Ich danke euch, dass ihr meine Lehrer wart und seid. Besucht mich gerne in meinen Träumen und macht es euch bei mir in meinem Herzen gemütlich! Wir sehen uns wieder! :*

Entspannung pur oder Sisyphos-Arbeit?

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Leute, ich muss euch was erzählen. Mir war das lange unangenehm und doch ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, das mal öffentlich zu schreiben. Jetzt wurde ich noch von einer lieben Person, der es auch so geht, dazu ermutigt und nun schreibe ich los und ihr dürft lesen und staunen – oder den Kopf schütteln!

Wie der ein oder andere vielleicht schon mitbekommen hat, leben bei mir ein paar wenige Tiere.^^ Da fällt natürlich auch einiges an Schmutz an und das bedeutet tagtäglich viel Arbeit. Alleine bei meiner Wellensittichbande verbringe ich jeden Tag mindestens zwei Stunden mit der Reinigung des Zimmers und der Einrichtung und mit der artgerechten Fütterung der Partygang. Dazu kommen dann noch die Haare etc. in der Wohnung durch die drei liebreizenden Fellnasen, die ich täglich wegsauge und auch einmal wöchentlich alles durchwische. Doch dies soll hier kein Thema sein. Bleiben wir bei den Wellis.

Kurzum: ICH MACHE DAS ECHT GERNE! Und das ist etwas, was wohl die wenigsten verstehen können. Ich empfinde es als unglaublich entspannend, das Chaos, das die Piepser innerhalb eines Tages anrichten, wieder zu beseitigen. Am leichtesten lassen sich die verteilte Buchenholzspäne (Einstreu für die Volieren) und die Futterspelzen (Wellensittiche schälen ihr Futter) entfernen. Das geht mit dem Staubsauger relativ fix, ist aber bei meiner Menge an Vögeln dennoch jeden Tag ein viertel bis ein halber kleiner Eimer voll. Ich habe dafür eigens einen kleinen Komposteimer im Vogelzimmer, den ich spätestens alle zwei Tage auf den Kompost bringe. “Schlimmer” ist der Kot. Wie ihr in meinem anderen Blogbeitrag “Bodenschutz” nachlesen könnt, habe ich verschiedene Strategien, um mir die Arbeit zu erleichtern bzw. um den Boden vor Verschmutzung zu schützen.

Meine absolut liebste Beschäftigung ist daher, die praktischen Rollschutzmatten von Ikea abzubrausen und zu sehen, wie sich der Kot durch den heißen Brausestrahl löst. Dabei kann ich super nachdenken und entspannen. Auch die Einrichtungsgegenstände wie die Vogelbäume, Schaukeln, Sitzstangen und Spielzeuge müssen regelmäßig heiß abgebraust werden, um wieder völlige Hygiene herzustellen. Dieses Gefühl, wenn wieder alles pikobello sauber an seinem Platz oder auch einem neuen Platz für die Abwechslung ist, ist ein erhebendes Gefühl.

Das liegt wohl daran, dass eine meiner Stärken “Wiederherstellung” ist. Das kann sich je nach Person unterschiedlich im Alltag äußern, bei mir eben darin, dass ich gerne die Ordnung und Sauberkeit wiederherstelle.

Das mache ich seit Jahren 24/7/365 und immer wieder gerne für meine tierischen Schützlinge. Klar gibt es auch mal Tage, an denen ich mir denke: “Boah, könnt ihr nicht einmal einen Tag ein bisschen weniger Schmutz machen?” Aber das vergeht ganz schnell, wenn ich mit dem Putzen beginne und erste kleine Erfolge sehe.

Die Gesundheit und die Lebensfreude meiner Tiere entschädigen mich dann zusätzlich für alles! Habt ihr auch solche Spleens?

Eingangscheck-Tupferproben

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Jeder neue Vogel, der zu bereits vorhandenen Vögeln gesetzt wird (dabei spielt es keine Rolle, ob es sich “nur” um einen neuen Partnervogel handelt oder ob er in einen bestehenden Schwarm kommt), sollte einer Eingangsuntersuchung unterzogen werden. Was getestet wird, hängt von den vorhandenen Vögeln und deren Erkankungen, den Behandlungsmöglichkeiten der jeweiligen Erreger und dem persönlichen Sicherheitsempfinden des Besitzers ab.

Wichtig dabei ist, wie die Proben genommen werden, denn sonst sind die Untersuchungsergebnisse nicht aussagekräftig. Viele Tierärzte wissen nicht einmal, auf was sie untersuchen sollen. Aber auch einige sogenannte vogelkundige Tierärzte (wer sich so bezeichnet, ist keine geschützte Angabe), machen erhebliche Fehler bei der Probenentnahme. Sicherlich könnte man sagen, dass dies eine nicht verzeihliche Wissenslücke darstellt, jedoch muss man den Tiermedizinern zugute halten, dass nur die wenigsten eine fundierte Ausbildung hierzu im Studium bekommen haben und wer nicht selbst großes Interesse zeigt und sich mit Eigeninitiative informiert, weiß dann eben kaum etwas über das Lebewesen Vogel. Ich finde, man kann es nicht von jedem erwarten, dass er Vögel unglaublich spannend findet oder sich neben dem stressigen Berufsalltag in seiner Freizeit über Vogelkrankheiten fortbildet. Fair fände ich aber, wenn eben solche weniger vogelaffinen Tierärzte dann auch sagen würden, dass sie sich solche Untersuchungen nicht zutrauen, weil sie sich nicht ausreichend auskennen.

Damit Sie Ihrem Tierarzt mit fundiertem Know-how entgegentreten können, fasse ich hier mal die für mich wichtigsten Untersuchungen und deren Durchführung zusammen.

Trichomonaden: Hierbei wird ein Abstrich aus dem Kropf eines Vogels entnommen, wobei über den linken Schnabelwinkel vorsichtig ein feuchter Tupfer über die Choanen in Richtung Kropf vorgeschoben wird. Nach der Entnahme empfiehlt es sich, sofort an dem Tupfer zu riechen, da ein leicht fischiger Geruch schon ein erster Hinweis auf Trichomonaden sein kann. Danach muss der Tupfer sofort in körperwarmer Natriumchloridlösung auf dem Objektträger ausgestrichen werden, da Trichomonaden ausserhalb des Wirtes und bei Kälte schnell absterben. Auf Trockenheit reagieren sie ebenfalls sehr empfindlich, daher darf es auf dem Objektträger gerne etwas schwimmen. Diese Eigenschaft der Trichomonanden bietet gleichzeitig eine gute Prophylaxemassnahme, insofern, dass man die Wassergefäße der Wellensittiche stets doppelt vorrätig haben sollte, sodass man diese über Nacht komplett durchtrocknen lassen kann.  Ist das Ergebnis positiv sieht man kleine farblose leuchtende Flummikugeln in Kreisbewegungen über das Bild im Mikroskop huschen. Macht man bei der Probenentnahme etwas falsch und sind die Trichos bereits abgestorben, könnten diese leicht mit kleinen Luftbläschen unter dem Deckträger verwechselt werden, sodass das Ergebnis fatalerweise negativ ausfällt. Es können prinzipiell alle Altersklassen befallen werden, oft sind aber die Jungvögel, die man eben vom Züchter abgeholt oder noch schlimmer aus dem Baumarkt, Zoofachhandel gekauft hat, stark betroffen. Der sogenannte gelbe Knopf sorgt bei den Vögeln für Atemnot, da der gesamte Rachen mit einem gelblichen Belag überwuchert wird, der durch die extreme Schleimhautschädigung verursacht wird. Häufig kommt dieser Erreger auch bei unseren Stadttauben vor, die daran jämmerlich zugrunde gehen, weil deren Schicksal leider keinen interessiert. Doch das soll an dieser Stelle kein Thema werden.

Eine weitere recht einfach Untersuchung stellt die

Kotuntersuchung auf Parasiteneier und Macrorhabdus ornithogaster dar.

Es sollte eine ganz frische Kotprobe, die noch weich und grün ist, ohne Harnsäureanteil (das Weisse im Klecks) auf Parasiteneier untersucht werden. Gerade wenn Vögel aus Aussenvolieren kommen, haben sie oft Spulwürmer. Wenn Harnsäure mit in die Probe unter das Mikroskop gelangt, sieht man vor lauter schwarzen Pünktchen nichts.

Macrorhabdus erkennt man als große durchsichtige, lediglich fein schwarz abgegrenzte große längliche Strukturen, die am ehesten Bakterien ähneln. Daher hat Macrorhabdus ornithogaster auch seinen umgangssprachlichen Namen Megabakterien (also sehr große Bakterien) oder kurz Megas erlangt. Da dieser Hefepilz aber nicht immer ausgeschieden wird, können auch negativ ausfallende Proben bei befallenen Vögeln vorkommen. Dies ist aber kein Grund zur Panik, da man mittlerweile davon ausgeht, dass quasi alle Wellensittichbestände durchseucht sind und auch positiv getestete Vögel nie erkranken müssen. Das Gemeine oder auch der Vorteil an der Krankheit ist, dass sich Macrorhabdus erst in einem geschwächten Vogelorganismus ausbreitet, wie z.B. beim Vorliegen eines Tumors. Ich habe bis jetzt erst zwei Vögel an Macrorhabdus verloren, wovon beide einen Tumor hatten und wo die 28tägige Behandlung mit Amphotericin B nicht angeschlagen hatte. Macrorhabdus besiedelt die Belegdrüsen des Magens, die Salzsäure produzieren, weswegen die Körner nicht mehr ausreichend verdaut werden können, der Vogel in Folge abmagert (Going-light-syndrome deswegen auch genannt) und es zum Erbrechen unverdauter Körner kommt oder diese über den Kot ausgeschieden werden. Somit handelt es sich hierbei um charakteristische Leitsymptome.

Seit 2012 ist durch den Wegfall der Psittakose-Verordnung auch eine Untersuchung auf Chlamydien sinnvoll.  Bei Chlamydia psittaci handelt es sich um intrazelluläre Erreger, weswegen ein TROCKENER Tupfer unerlässlich ist. Denn nur so wird Zellmaterial abgetragen, in dem sich die Chlamydien gegebenenfalls aufhalten. Wichtig ist hier die Entnahme von drei Lokalisationen: Konjunktiven (Bindehaut am Auge), Rachen/Choanen und Kloake. Bitte in dieser Reihenfolge, weil für alles ein- und derselbe Tupfer verwendet wird, der dann in ein spezielles Nährmedium gesteckt wird. Diese Untersuchung muss dann weiter per PCR in einem Labor erfolgen, weil der Nachweis ansonsten nicht aussagekräftig ist.

Weil gerade wieder Grabmilben auf dem Vormarsch sind, sollte der Neuzugang, gerade wennn er noch jung (unter 2 Jahren) ist,  ein Spot on dagegen bekommen (meist Ivomec), da Grabmilben im Vogelkörper jahrelang symptomlos leben können und plötzlich ausbrechen können. Dies passiert meist, wenn der Vogel in eine neue Umgebung kommt, an etwas anderem erkrankt ist oder aus sonstigen Gründen Stress hat. Die Grabmilben befallen oft zuerst die Wachshaut, können aber auch auf Augen, Schnabel und Beine und am unangenehmsten auf die Kloake übergehen. Schon bei den ersten kleinen Verkrustungen sollte man dringend schnellstmöglich handeln und nicht erst warten, bis die Milben mit ihren Bohrgänge das Gewebe zerfressen haben. Grabmilben sind wirklich einfach zu behandeln. Da muss kein Welli drunter leiden. Sollte der Befall dennoch schon zu Bohrgängen geführt haben, können auf Schnabel und Ständer Paraffinöl aufgetragen werden, die die Milben in ihren Gängen ersticken lassen. Die Borken sollte man aufweichen und diese dann vorsichtig entfernen. Gegebenenfalls muss die Behandlung mit Ivermectinen mehrfach wiederholt werden. (EDIT: Ich hatte zeitweise einen Vogel mit schwerstem Milbenbefall aufgenommen, den ich über vier Wochen behandeln musste. Daher weiß ich, dass es völlig ausreichend ist, einmal wöchentlich mit Ivermectinen zu behandeln und man den Stress des Einfangens und Einölens der betroffenen Stellen dem Wellensittich gerne ersparen kann.)

(Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und setzt den Schwerpunkt auf die Art der Probenentnahme. Für das Bild und Behandlung der Erkrankungen ist dieser Artikel in keiner Weise hinreichend, da auch nicht darauf ausgelegt!)