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Jeder neue Vogel, der zu bereits vorhandenen Vögeln gesetzt wird (dabei spielt es keine Rolle, ob es sich “nur” um einen neuen Partnervogel handelt oder ob er in einen bestehenden Schwarm kommt), sollte einer Eingangsuntersuchung unterzogen werden. Was getestet wird, hängt von den vorhandenen Vögeln und deren Erkankungen, den Behandlungsmöglichkeiten der jeweiligen Erreger und dem persönlichen Sicherheitsempfinden des Besitzers ab.

Wichtig dabei ist, wie die Proben genommen werden, denn sonst sind die Untersuchungsergebnisse nicht aussagekräftig. Viele Tierärzte wissen nicht einmal, auf was sie untersuchen sollen. Aber auch einige sogenannte vogelkundige Tierärzte (wer sich so bezeichnet, ist keine geschützte Angabe), machen erhebliche Fehler bei der Probenentnahme. Sicherlich könnte man sagen, dass dies eine nicht verzeihliche Wissenslücke darstellt, jedoch muss man den Tiermedizinern zugute halten, dass nur die wenigsten eine fundierte Ausbildung hierzu im Studium bekommen haben und wer nicht selbst großes Interesse zeigt und sich mit Eigeninitiative informiert, weiß dann eben kaum etwas über das Lebewesen Vogel. Ich finde, man kann es nicht von jedem erwarten, dass er Vögel unglaublich spannend findet oder sich neben dem stressigen Berufsalltag in seiner Freizeit über Vogelkrankheiten fortbildet. Fair fände ich aber, wenn eben solche weniger vogelaffinen Tierärzte dann auch sagen würden, dass sie sich solche Untersuchungen nicht zutrauen, weil sie sich nicht ausreichend auskennen.

Damit Sie Ihrem Tierarzt mit fundiertem Know-how entgegentreten können, fasse ich hier mal die für mich wichtigsten Untersuchungen und deren Durchführung zusammen.

Trichomonaden: Hierbei wird ein Abstrich aus dem Kropf eines Vogels entnommen, wobei über den linken Schnabelwinkel vorsichtig ein feuchter Tupfer über die Choanen in Richtung Kropf vorgeschoben wird. Nach der Entnahme empfiehlt es sich, sofort an dem Tupfer zu riechen, da ein leicht fischiger Geruch schon ein erster Hinweis auf Trichomonaden sein kann. Danach muss der Tupfer sofort in körperwarmer Natriumchloridlösung auf dem Objektträger ausgestrichen werden, da Trichomonaden ausserhalb des Wirtes und bei Kälte schnell absterben. Auf Trockenheit reagieren sie ebenfalls sehr empfindlich, daher darf es auf dem Objektträger gerne etwas schwimmen. Diese Eigenschaft der Trichomonanden bietet gleichzeitig eine gute Prophylaxemassnahme, insofern, dass man die Wassergefäße der Wellensittiche stets doppelt vorrätig haben sollte, sodass man diese über Nacht komplett durchtrocknen lassen kann.  Ist das Ergebnis positiv sieht man kleine farblose leuchtende Flummikugeln in Kreisbewegungen über das Bild im Mikroskop huschen. Macht man bei der Probenentnahme etwas falsch und sind die Trichos bereits abgestorben, könnten diese leicht mit kleinen Luftbläschen unter dem Deckträger verwechselt werden, sodass das Ergebnis fatalerweise negativ ausfällt. Es können prinzipiell alle Altersklassen befallen werden, oft sind aber die Jungvögel, die man eben vom Züchter abgeholt oder noch schlimmer aus dem Baumarkt, Zoofachhandel gekauft hat, stark betroffen. Der sogenannte gelbe Knopf sorgt bei den Vögeln für Atemnot, da der gesamte Rachen mit einem gelblichen Belag überwuchert wird, der durch die extreme Schleimhautschädigung verursacht wird. Häufig kommt dieser Erreger auch bei unseren Stadttauben vor, die daran jämmerlich zugrunde gehen, weil deren Schicksal leider keinen interessiert. Doch das soll an dieser Stelle kein Thema werden.

Eine weitere recht einfach Untersuchung stellt die

Kotuntersuchung auf Parasiteneier und Macrorhabdus ornithogaster dar.

Es sollte eine ganz frische Kotprobe, die noch weich und grün ist, ohne Harnsäureanteil (das Weisse im Klecks) auf Parasiteneier untersucht werden. Gerade wenn Vögel aus Aussenvolieren kommen, haben sie oft Spulwürmer. Wenn Harnsäure mit in die Probe unter das Mikroskop gelangt, sieht man vor lauter schwarzen Pünktchen nichts.

Macrorhabdus erkennt man als große durchsichtige, lediglich fein schwarz abgegrenzte große längliche Strukturen, die am ehesten Bakterien ähneln. Daher hat Macrorhabdus ornithogaster auch seinen umgangssprachlichen Namen Megabakterien (also sehr große Bakterien) oder kurz Megas erlangt. Da dieser Hefepilz aber nicht immer ausgeschieden wird, können auch negativ ausfallende Proben bei befallenen Vögeln vorkommen. Dies ist aber kein Grund zur Panik, da man mittlerweile davon ausgeht, dass quasi alle Wellensittichbestände durchseucht sind und auch positiv getestete Vögel nie erkranken müssen. Das Gemeine oder auch der Vorteil an der Krankheit ist, dass sich Macrorhabdus erst in einem geschwächten Vogelorganismus ausbreitet, wie z.B. beim Vorliegen eines Tumors. Ich habe bis jetzt erst zwei Vögel an Macrorhabdus verloren, wovon beide einen Tumor hatten und wo die 28tägige Behandlung mit Amphotericin B nicht angeschlagen hatte. Macrorhabdus besiedelt die Belegdrüsen des Magens, die Salzsäure produzieren, weswegen die Körner nicht mehr ausreichend verdaut werden können, der Vogel in Folge abmagert (Going-light-syndrome deswegen auch genannt) und es zum Erbrechen unverdauter Körner kommt oder diese über den Kot ausgeschieden werden. Somit handelt es sich hierbei um charakteristische Leitsymptome.

Seit 2012 ist durch den Wegfall der Psittakose-Verordnung auch eine Untersuchung auf Chlamydien sinnvoll.  Bei Chlamydia psittaci handelt es sich um intrazelluläre Erreger, weswegen ein TROCKENER Tupfer unerlässlich ist. Denn nur so wird Zellmaterial abgetragen, in dem sich die Chlamydien gegebenenfalls aufhalten. Wichtig ist hier die Entnahme von drei Lokalisationen: Konjunktiven (Bindehaut am Auge), Rachen/Choanen und Kloake. Bitte in dieser Reihenfolge, weil für alles ein- und derselbe Tupfer verwendet wird, der dann in ein spezielles Nährmedium gesteckt wird. Diese Untersuchung muss dann weiter per PCR in einem Labor erfolgen, weil der Nachweis ansonsten nicht aussagekräftig ist.

Weil gerade wieder Grabmilben auf dem Vormarsch sind, sollte der Neuzugang, gerade wennn er noch jung (unter 2 Jahren) ist,  ein Spot on dagegen bekommen (meist Ivomec), da Grabmilben im Vogelkörper jahrelang symptomlos leben können und plötzlich ausbrechen können. Dies passiert meist, wenn der Vogel in eine neue Umgebung kommt, an etwas anderem erkrankt ist oder aus sonstigen Gründen Stress hat. Die Grabmilben befallen oft zuerst die Wachshaut, können aber auch auf Augen, Schnabel und Beine und am unangenehmsten auf die Kloake übergehen. Schon bei den ersten kleinen Verkrustungen sollte man dringend schnellstmöglich handeln und nicht erst warten, bis die Milben mit ihren Bohrgänge das Gewebe zerfressen haben. Grabmilben sind wirklich einfach zu behandeln. Da muss kein Welli drunter leiden. Sollte der Befall dennoch schon zu Bohrgängen geführt haben, können auf Schnabel und Ständer Paraffinöl aufgetragen werden, die die Milben in ihren Gängen ersticken lassen. Die Borken sollte man aufweichen und diese dann vorsichtig entfernen. Gegebenenfalls muss die Behandlung mit Ivermectinen mehrfach wiederholt werden. (EDIT: Ich hatte zeitweise einen Vogel mit schwerstem Milbenbefall aufgenommen, den ich über vier Wochen behandeln musste. Daher weiß ich, dass es völlig ausreichend ist, einmal wöchentlich mit Ivermectinen zu behandeln und man den Stress des Einfangens und Einölens der betroffenen Stellen dem Wellensittich gerne ersparen kann.)

(Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und setzt den Schwerpunkt auf die Art der Probenentnahme. Für das Bild und Behandlung der Erkrankungen ist dieser Artikel in keiner Weise hinreichend, da auch nicht darauf ausgelegt!)

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3 Responses

  1. Lisa sagt:

    Wie gut, daß Du das schreibst. Viele meinen, wenn ein Vogel nicht krank aussieht, ist er das auch nicht bzw. wenn er “neu gekauft” wurde, kann nix sein. Dieser Irrtum hat schon manchen Schwarm krank gemacht.

    • Anni Baba sagt:

      Sensibilisieren und aufklären ist so wichtig. Es hat lange gebraucht, bis ich mich durchgerungen hatte, einen Blog zu starten. Ich habe aber gemerkt, wie wenige Menschen wirklich Bescheid wissen und so möchte ich ein kleines bisschen dazu beitragen, dass mehr Menschen “Sachkunde” erlangen. Es freut mich, dass es auch wirklich Menschen wie dich gibt, die meine Beiträge lesen und sogar schätzen! Danke!

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