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Macrorhabdus ornithogaster oder (umgangssprachlich) Megabakterien

Dieser Blogartikel wird zum einen die medizinischen Hintergründe kurz umreißen, zum anderen meine persönlichen Erfahrungen mit Macrorhabdus schildern.
Mir ist klar, dass einige Halter schon Horroszenarien mit diesem Hefepilz erlebt haben und ich möchte das auch nicht klein reden, sondern ein bisschen die Angst nehmen.
Ich persönlich habe nun schon seit Jahren Macrorhabdus im Schwarm und bis jetzt erst zwei Vögel deswegen verloren.
Bestätigt wurde bei diesen beiden die Annahme, dass dieser Hefepilz sich erst nennenswert vermehren kann, wenn der Wellensittich sonst noch ein gravierendes gesundheitliches Problem hat. Bei meinen Wellensittichen Käuzchen und Kobold konnte man damals im Kontrastmittelröntgen jeweils einem Tumor im Verdauungstrakt sehen.
Die dadurch verzögerte Passage des Speisebreis hat wohl dazu beigetragen, dass sich Macrorhabdus vermehren konnte.
Dieser Hefepilz besiedelt die Ausführungsgänge der salzsäureproduzierenden Belegzellen des Magens. Diese Säure ist wichtig für die Verdauungsvorgänge. Wird durch eine Infektion mit Macrorhabdus weniger Säure in den Magen abgegeben, können die aufgenommenen Körnchen nur unzureichend verdaut werden, weil der pH-Wert im Magen dafür dann zu hoch ist.
So erklären sich Symptome wie das Ausscheiden unverdauter Körner mit dem Kot.
Aber auch Erbrechen und Würgen zählen zu den typischen Symptomen, wie es bei meinem Kobold in extremer Form zu sehen war.
Diese Erkrankung hat auch einen Namen bekommen: das Going-light-Syndrom.
Durch die unzureichenden Verdauungsvorgänge kann der Wellensittich die Nahrung nicht ausreichend verwerten, es kommt zum Energiemangel, weswegen der Vogel oft unglaubliche Mengen frisst und trotzdem abnimmt.
Stationär aufgenommen können Breifütterung per Knopfsonde und Infusionen helfen, den Vogel zu Beginn der Therapie mit dem Antimykotikum (einem Medikament gegen den Pilz) zu unterstützen, bis der Körper selbst wieder ausreichend Nahrung aufnehmen und verdauen kann.
Gerade bei unerfahrenen Vogelhaltern ist eine anfängliche Aufnahme in eine Vogelklinik sinnvoll, da allein zweimal täglich ein Medikament eingegeben werden muss. Meist hat sich der Vogel aber spätestens nach zwei Wochen stabilisiert und kann wieder nach Hause gehen. Auch dort muss aber meistens die Behandlung noch weitergeführt werden, da 28 Tage Behandlungsdauer wegen der Gefahr der Resistenzbildung nicht unterschritten werden sollten.
Aus diesem Grund halte ich auch sogenannte Kuren nicht sinnvoll. Manche Praxen empfehlen nämlich halbjährlich oder jährlich eine prophylaktische Gabe des Antimykotikums, obwohl der Vogel gar keine Symptome eines Aubruchs zeigt.
Diese „Kuren“ werden aber nur selten so lange fortgeführt, bis wirklich alle Hefepilze abgetötet worden sind und so können die verbleibenden Pilz-Zellen resistent gegen das Medikament werden. Das hat die fatale Folge, dass es unter Umständen nicht mehr wirkt, wenn es der Vogel wirklich braucht!
Dasselbe gilt übrigens auch für Antibiotikagaben, bei denen aus den gleichen Gründen immer die Mindestbehandlungsdauer eingehalten werden sollte, auch wenn es dem Vogel schon besser geht. Mit einem vorzeitigen Abbruch richtet man so nämlich oft mehr Schaden an, als es jede Nebenwirkung eines Medikaments je tun würde. 😢

 

Der veraltete Name Megabakterien kommt daher, dass man früher nicht eindeutig einordnen konnte, ob es sich bei den Strukturen um Pilze oder Bakterien handelt. Unter dem Mikroskop sehen diese Pilze nämlich wie riesige Stäbchenbakterien aus.
Mittlerweile weiß man aber sicher, dass Macrorhabdus zu den Pilzen gehört und nur optisch Bakterien ähnlich sieht, ansonsten aber nichts mit ihnen gemein hat.
Interessant ist vielleicht noch die Tatsache, dass bei Vögeln, bei denen man bei der Eingangsuntersuchung keinen Macrorhabdus feststellen konnte, an ihm erkranken können. Man bei offensichtlich erkrankten Vögeln auch bei einem akuten Schub ihn nicht nachweisen können muss und die Therapie nach Symptomen trotzdem wunderbar anschlagen kann. Und dass Vögel, bei denen er zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, niemals einen Schub bekommen müssen, wie es bei zahlreichen Vögeln meines Schwarms der Fall ist.

Mir ist durchaus bewusst, dass auch jederzeit bei mir wieder ein Vogel erkranken könnte, jedoch liegt mein letzter Ausbruch schon über zwei Jahre zurück. Scheinbar sorgen meine Haltungsbedingungen dafür, dass Vögel, die definitiv Träger des Pilzes sind, nicht symptomatisch erkranken.
Es gibt auch mittlerweile schon Meinungen, die vermuten, dass Macrorhabdus zu der normalen Darmflora gehört.
So wie Salmonellen in Geflügeldärmen, die dort standardmäßig vorkommen und die Tiere nur selten und auch nur bei Hinzukommen anderer Faktoren erkranken lassen und uns Menschen hingegen schwer krankmachen können.