Tierschutz!? Eine Geschichte (noch?) ohne Happy End

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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich euch erzähle, was mir neulich bezüglich des Tierschutzes passiert ist. Ich will niemanden bloßstellen, deswegen werde ich das anonymisiert darstellen, aber vielleicht könnt ihr mir ja helfen, zu verstehen.

Ich habe kürzlich auf einer Tierheimseite zwei flugunfähige Wellensittiche entdeckt. Da sie eine ganze Weile auf der Seite standen, habe ich nachgefragt, ob die Zwei noch da wären und wie sie ihre Vermittlungschanchen einschätzen. Ferner, ob sie noch eine Ursache für die Flugunfähigkeit wüssten und dass ich gerne bei der Vermittlung behilflich sei, weil flugunfähige Wellensittiche ja besondere Bedürfnisse haben.

Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf, dass der eine Welli bereits verstorben sei und der andere nicht zur Vermittlung stünde, weil es ihm nicht gut ginge. Sie sagten noch, dass er nicht leiden müsste, weil er ja bei anderen Vögeln säße. Ich war angesichts dieser Begründung so perplex, dass ich mich nur bedankt und verabschiedet habe. Mehrfach versuchte ich zurückzurufen, nachdem ich meine Fassung wieder gewonnen hatte. Niemand ging ran.

Also beschloss ich kurzerhand, die knappe Stunde Fahrt in Kauf zu nehmen und noch am selben Tag persönlich im Tierheim vorbeizusehen. Als ich dort nachfragte, weswegen der zweite Welli jetzt nun auch nicht mehr zur Vermittlung stünde, wurde ich an das Kleintierhaus verwiesen, sodass zwei Pfleger dessen plötzlich vor mir standen. Die eine Pflegerin erzählte mir, dass es dem Welli nicht gut ginge und man da nichts machen könne, da er ja schon alles hätte, was er braucht: frisches Wasser, gutes Futter, frisches Obst und Vitamin C ins Trinkwasser. Er wäre entwurmt worden und hätte etwas gegen Ektoparasiten bekommen. Er käme aus schlechter Haltung und wäre wie sein Kumpel, der bereits verstorben ist, angesichts der guten Haltung im Tierheim so gestresst, dass es ihm jetzt nicht gut ginge.

Daran sind mir verschiedene Dinge aufgestoßen, sodass ich mit Engelszungen zu erklären begann: Da die meisten Wellensittiche Macrorhabdus haben, ist Obst nichts für Wellensittiche, weil es durch den enthaltenen Zucker das Wachstum dieses Hefepilzes stark begünstigt. Da diese Erkrankung oft in Kombi mit Stress auftritt, ist es aus meiner Sicht das Falscheste, gerade dann Obst zu füttern. (Das habe ich dort so natürlich nicht gesagt, ist aber meine Meinung.)

Weiterhin versuchte ich zu erklären, dass man bei Vögeln durchaus durch Diagnostik und Behandlung bei einem schon schlecht aussehenden Welli  noch Vieles retten kann. Daraufhin wurde mir erklärt, dass es ihre Möglichkeiten überstiege, den Vogel von einem vogelkundigen Tierarzt untersuchen zu lassen. Als ich anbot, die Behandlung zu übernehmen, wurde behauptet, dass dies nicht ginge, weil ihr Tierarzt keine kranken Vögel rausgäbe.

Ich bat darum, mit diesem Tierarzt sprechen zu dürfen. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, dass dieser von einer Tierärztin angezeigt worden wäre, nachdem diese jahrelang kranke Vögel mitgenommen und aufgepäppelt hätte. Mein Bitten wäre dadurch angeblich kontraproduktiv.

Ich erzählte von meinen Vögeln und bekundete mein Bedauern, dem kleinen Piepmatz dort nicht helfen zu dürfen.

Doch alles freundliche Erklären und Bitten half nichts. V.a. die eine von beiden blieb bei ihrem anfangs ausgesprochenen rigorosen „Nein“.

So blieb mir nichts weiter, als mich zu verabschieden und den kleinen Mann dort schweren Herzens sitzen zu lassen, nachdem ich abermals bekundet hatte, ihn jederzeit abzuholen und zu einem vogelkundigen Tierarzt auf eigene Kosten zu bringen.

Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass dort etwas verborgen liegt. Dies ging mir schon nach dem Telefongespräch so und nach meinem persönlichen Besuch hat sich dieses  Gefühl verstärkt. Ich verstehe nicht, warum sie den kleinen Mann, dem es offensichtlich schlecht geht, inmitten von anderen Vögeln sitzen lassen, mit der Begründung, dass er ja nicht leide, wenn er Vögel zur Gesellschaft hätte. Es muss doch irgendeinen Grund haben, warum der eine Vogel verstarb und es dem anderen schlecht geht. Dabei handelt es sich zudem noch um Fußgänger, die in einer normalen Voliere schlecht bis lebensbedrohend aufgehoben sind, da die Absturzhöhe zu hoch ist. Zumal in dieser Voliere unten Kaninchen drin laufen.

Ich verstehe nicht, wie Menschen, die im Tierschutz arbeiten, einfach zusehen können, wie dieser augenscheinlich behandlungswürdige Vogel einfach so dahinsiecht bis zum Tod (der ohne Behandlung absehbar ist). Wenn ihr es versteht oder euch noch etwas einfällt, was ich tun könnte, sagt es mir bitte gerne!

Das nächste Mal gibt es wieder eine Geschichte mit Happyend!

  • Liebe Annibaba, zunächst einmal Lob für so viel Engagement. Verstehen tun wir das nicht…Da fällt uns nichts weiter ein, als mal die örtliche Presse zu bitten, so was zu veröffentlichen. Leider kann es da aber auch passieren, dass der gesamte Tierschutz in Frage gestellt wird, dabei haben sich doch nur einzelne Leute seltsam verhalten. Vielleicht wollten sie den Vogel nicht abgeben, weil der so krank war und sie Angst vor späteren Beschwerden hatten. Vielleicht…

    • Angeblich wurde der Vogel mittlerweile an einen Mitarbeiter des Tierheims vermittelt, der wohl auch Fussgänger hat. Es wäre dem kleinen Piepmatz wirklich zu wünschen, dass er nicht elendig zwischen den Kaninchen verreckt ist…