Umfangsvermehrung/Tumor

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Ich schreibe bewusst Umfangsvermehrung, denn das ist die deutsche Bedeutung des Wortes Tumor. Ein Tumor ist also prinzipiell erstmal keine sichere Todesdiagnose, sondern meint erstmal nur eine Zunahme von Gewebe.
Man könnte also rein theoretisch auch zu einer Beule an der Stirn nach einem Zusammenstoß mit einem harten Gegenstand „Tumor“ im Sinne von einer Schwellung sagen.
Das macht nur keiner, weil wir umgangssprachlich damit eine Vermehrung von gutartigen oder bösartigen Zellen verbinden.

Einen sogenannten gutartigen Tumor macht aus, dass er in der Regel gut abgekapselt im Gewebe liegt, ein langsames Größenwachstum aufweist und nicht dazu neigt, stark invasiv in andere gesunde Gewebestrukturen hineinzuwachsen und auch nicht in Blutgefäße einbricht, um damit kleine Zellhaufen über die Blutbahnen im Körper zu verteilen, die wir dann Metastasen nennen.
Von all diesen verhältnismäßig positiven Eigenschaften macht ein bösartiger Tumor genau das Gegenteil. Ausnahmen bestätigen die Regel…
Die meisten meiner Wellensittiche sind bis jetzt wegen Nieren- oder Gonadentumoren (Tumore der Geschlechtsorgane) eingeschläfert worden.
Erst bei einer Henne konnte man wirklich deutliche Veränderungen in der Lunge in Form von kleinen Knötchen im Röntgenbild erkennen.
In diesem Fall waren diese der Grund für ihre Atemnot.
Ansonsten gibt es für die Atemnot, auch Dyspnoe genannt, eine andere Ursache, wie es auch bei Korbinian heute der Fall war.
Denn Vögel besitzen kein Zwerchfell und haben somit keine Brust- und Bauchhöhle, sondern eine durchgehende Körperhöhle.
Dies führt dazu, dass bei der Vergrößerung eines Organes wie z.B. bei einer Fettleber oder eben bei einem Tumor die Luftsäcke und/oder die Lunge komprimiert, sprich zusammengedrückt werden.
Wenn der Tumor nicht riesig ist und z.B. den Bauch von innen deutlich vorwölbt, ist eine beschleunigte Atmung dann oft das erste auffällige Symptom.
Ich lasse so etwas immer mit einem Röntgenbild abklären. Der Vogeltierarzt wird seinen Patienten vorher ohnehin gründlich untersuchen und kann vielleicht auch schon über einen Tastbefund eine Diagnose stellen.
Manche Praxen bieten auch Ultraschall selbst für kleine Vögel an, sodass abgeklärt werden kann, ob ein sogenannter Weichteilschatten im Röntgenbild wirklich festes Gewebe oder Flüssigkeit darstellt.
Lasst euch da gerne beraten, meine derzeitige Vogeltierärztin bietet momentan leider keinen Ultraschall an.
In jedem Fall ist eine Untersuchung sehr empfehlenswert, da bei einer frühzeitigen Erkennung je nach Tumorart entweder noch operiert werden kann oder zumindest mit Medikamenten der weitere Verlauf verlangsamt werden kann.
Manchmal bleibt aber auch einfach nur die Euthanasie, um dem Vogel eine lange Qual zu ersparen.
Das fällt schwer, aber lässt den kleinen Freund in Würde gehen, wie eine meiner Freundinnen stets zu sagen pflegt.
Ich sage, es ist der letzte Liebesbeweis, den man seinem Schützling noch erbringen kann…
Übrigens kann man die Tumoren nur sicher durch eine Gewebeentnahme wie z.B. eine Punktion unterscheiden. Diese wird dann eingeschickt und in speziellen Laboren untersucht. Meist ist dies aber nicht am wachen Patient möglich. Oft muss dieser dafür in Narkose gelegt werden und manche Diagnosen sind auch erst nach dem Tod durch eine Sektion zu stellen.
Aus diesen Gründen verzichte ich darauf, ganz genau wissen zu wollen, woran mein Vögelchen litt. Denn lebendig macht es ihn auch nicht mehr und bei einem erfahrenen Vogeltierarzt reicht in der Regel auch ein Röntgenbild, um einen Therapieversuch zu diskutieren.