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Meine liebe Lilli, am 27.11.2017 hat deine kleine Seele diese Erde verlassen. Es war so hart für mich, dass ich dir nicht mehr helfen konnte. Zwei Stunden nach unserem Tierarztbesuch bist du eingeschlafen. Ich habe deinen leblosen Körper noch eine ganze Weile in meinen Händen gehalten, bin mit dir durchs Haus gegangen, auf der Suche nach einem würdigen “Sarg”. Ich konnte mich nicht von dir trennen, hab dein unglaublich weiches Gefieder unaufhörlich gestreichelt, während meine Tränen flossen, wie sie es auch tun, während ich dies hier schreibe.

Vom ersten Moment an, hat mich dein Auftreten und dein Blick zutiefst im Herzen berührt. Du zogst im Oktober 2015 bei uns ein, als erster wirklich komplett flugunfähiger Wellensittich. Zuvor lebte bei mir nur eine sehr schlechte Fliegerin, Lillith, die wie du für immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben wird.

Wer mich kennt, weiß, dass ich alle meine Tiere sehr liebe, aber es gibt unter ihnen welche, die mein Herz besonders berührt haben. Oft sind es gerade die Sorgenkinder und auch welche, die gar nicht so lange bei mir leben/lebten.

Lilli, die zwei Jahre mit dir kommen mir vor wie eine Ewigkeit. Es war wunderschön und ich habe jedesmal innerlich gelächelt, wenn ich deinen hellgrünen Leuchtfleck fröhlich zwischen den anderen aufblitzen sah. Du warst immer freundlich, nie streitlustig wie andere Hennen und einfach froh, in Welligesellschaft leben zu dürfen.

Ich übernahm dich von einer Wildtierauffangstation, die mit der zusätzlichen Pflege von Haustieren überfordert war und dich aus der Einzelhaltung in einem Altenheim befreit hatte. Wie alt du wirklich warst, weiß daher niemand. Ich vermute, dass deine schwere Erkrankung doch das Ende eines langen Lebens war, da du zunehmend mehr Probleme mit der Mauser bekamst, je länger du hier lebtest. Es ist für mich nur ein schwacher Trost, dass du kein junger Hüpfer mehr gewesen sein musst. Du hinterlässt hier einerseits eine große Lücke, hast andererseits damit irgendwie Platz gemacht für eine Idee, die ich 2016 wieder verworfen hatte. Nun wird sie langsam konkreter und meine Begierde, gerade den gehandicapten und alten Wellensittichen ein Zuhause zu geben, wurde eigentlich nur noch größer.

Ich brauche auch die jungen und unkomplizierten Vögel um mich, da ein Schwarm aus lauter Sorgenkindern auch meine Psyche überlasten würde. Doch mein Herz schlägt für die Benachteiligten und es ist mein ständiges Bestreben, ihnen ihr Leben so schön wie möglich zu machen und endlich Lebensqualität nach oft so langer Zeit schlechter Haltung zu bieten.

Lilli, du hast mich inspiriert. Du hast mir gezeigt, wie man die im übertragenen Sinne, hier aber auch wahrhaftig große Liebe leben kann. Deine Wahl fiel auf den Standardhahn Käuzchen, der sich mit dir das Schicksal der Flugunfähigkeit teilte. Er hat dich sofort ins Auge gefasst bei seiner Ankunft und kletterte zielstrebig auf dich zu. Mir wurde Angst und Bange, als sich dieser riesige Vogel deiner zierlichen Gestalt näherte. Doch ich wurde eines Besseren belehrt und ihr wart ab sofort unzertrennlich. Nachts schlieft ihr beide eng aneinander gekuschelt, eher verschmolzen. Etwas, das ich sonst nur bei Kojo und Lina beobachten konnte, die beide mit dir zusammen einzogen. Auch Lina, die ihr ganzes Leben lang unter einer schweren Organerkrankung litt, ist kurz vor dir gegangen.

Es ist so traurig, euch nicht mehr täglich um mich zu haben, auf der anderen Seite macht ihr Platz für neue inspirierende Wegbegleiter. Ich danke euch dafür. Gerade diese kurze Zeit möchte ich nicht missen. Wärt ihr nicht gewesen, gäbe es die Welliwg in dieser Form gerade nicht und ich hätte keine Visionen, wie meine Haltung zukünftig aussehen soll.

Ich danke euch, dass ihr meine Lehrer wart und seid. Besucht mich gerne in meinen Träumen und macht es euch bei mir in meinem Herzen gemütlich! Wir sehen uns wieder! :*