Wellensittiche in Paarhaltung oder im Schwarm halten?

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Als Paar glücklich im Schwarm: Henry und Hilde

Noch vor ein paar Jahren sagte ich mit verträumten Blick zu meinem Mann: „Irgendwann möchte ich einmal 20 Wellis haben und die sollen ihr eigenes Zimmer haben.“
Heute ist dieser Traum Realität und trotzdem weiß ich noch, wie es war, als ich 2,3,7 oder später 14 Wellis hatte.
Die Faszination wuchs mit steigender Anzahl der Schwarmmitglieder.
Während zwei oder drei Wellensittiche irgendwie miteinander klarkommen müssen, besteht ab 5 Tieren schon die Möglichkeit, sich seinen Partner gewissermaßen auszusuchen.
Ab 10 Tieren stellte ich dann auch die Bildung von Freundschaften und kleinen Grüppchen fest.
Seitdem ist die Begeisterung für diese Tiere ins Unermessliche gestiegen. Je mehr Wellis in artgerechter, beschäftigungsreicher und natürlich vogelsicher eingerichteten Umgebung gehalten werden, desto mehr ist ihr natürliches Schwarmverhalten zu beobachten.
Ich liebe es, die Interaktionen zu beobachten und wie Streitigkeiten gelöst werden ohne dass es in der Regel zu Verletzungen kommt.
Wie ein Neuankömmling begrüßt wird, er sich langsam in die Gruppe integriert und seinen Charakter entfaltet, ist für mich das Schönste überhaupt in meinem Alltag mit den Wellensittichen.
Erst im Schwarm und durch den Vergleich mit den Verhaltensmuster vieler verschiedener Charaktere wurde mir bewusst, wie einzigartig jede einzelne dieser kleinen Persönlichkeiten ist.
Dass es Wellensittiche gibt, die ihre Partner stets in der gleichen Farbe wählen und andere, die sich eher von dem gleichen Geschlecht
angezogen fühlen. Wieder andere suchen nach Alter oder Handicap aus.
Dies alles habe ich erst gelernt, seitdem ich einen großen Schwarm habe und dadurch die Möglichkeiten hatte, die einzelnen Individuen zu beobachten und kennenzulernen.
Mir ist bewusst, dass nicht jeder die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten hat, auf diese Weise Wellensittiche zu halten, jedoch kann ich es jedem empfehlen, dem es möglich ist.
Dazu kommt, dass er damit noch ein gutes Werk tun kann, denn die Zahl der Abgabevögel ist groß. Ich nehme am Liebsten von Privatpersonen auf, denen das Wohl ihres Schützlinges auch weiter wichtig ist oder nehme Wellis auf, die aus den verschiedensten Gründen schon lange im Tierheim sitzen und kaum eine Vermittlungschance haben.
Jedem Wellensittichhalter empfehle ich aber, diese Schwarmtiere nicht in Paarhaltung, sondern zumindest zu viert, besser zu sechst zu halten. Sechs Tiere gelten meines Wissens nach auch noch als normale Anzahl und dürfen deswegen auch in Mietwohnungen gehalten werden. Nichtsdestotrotz würde ich mich in diesem Fall rechtlich absichern und mir von dem Vermieter eine schriftliche Erlaubnis geben lassen. Im Idealfall lässt man diese sich auch von den Nachbarn aushändigen.
Denn es gibt leider Menschen, die sich von Vögeln, die von abends um 9 Uhr bis morgens um 6 Uhr strikte Nachtruhe einhalten, mehr gestört fühlen, als von Kindern, die trampeln, schreien und toben und das gerne auch mal nachts um halb vier.
Ich jedenfalls habe meine Geräusche absorbierenden Kopfhörer in meiner Staatsexamensphase nicht wegen meiner Wellensittiche angeschafft, sondern wegen des tag- und nachtaktiven Kindes in der Wohnung über mir.
Leider wird dies aber in unserer Gesellschaft immer noch mehr geduldet als die Tierhaltung. Deswegen: habt so viele Wellis, wie ihr es leisten könnt, aber sichert euch zum Wohl der Tiere bitte in alle Richtungen ab!