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Wellensittiche bestimmen mehr und mehr mein Leben. Grund genug, mir Gedanken darüber zu machen, wie meine Leidenschaft für die munteren Kobolde eigentlich begann.

Eigentlich bin ich zu den Sittichen durch ein Missverständnis gekommen. Meine Mutter adoptierte zwei Nymphensittiche samt Käfig aus dem nahegelegenen Tierheim, weil meine Oma den Wunsch nach Vögeln zum Beobachten geäußert hatte. Nur meinte meine Oma Wildvögel, die sie gerne vom Bett aus am Fenster beobachten wollte. Man hätte dies sicher einfach mit einer Futterstation realisieren können, nur war vor 17 Jahren die ganzjährige Wildvogelfütterung noch nicht verbreitet.

So zogen “Romeo und Julia” aus dem Tierheim Schwebheim ein. Die beiden waren laut, was aus meiner heutigen Sicht kein Wunder war, so waren sie doch in einem reizarmen Käfig ohne Freiflug (wegen der teuren Möbel) untergebracht. Das einzig Positive war, dass sie wenigstens zu zweit waren.

Soweit ich mich erinnere, konnte meine Oma auch keinen rechten Draht zu den Vögeln aufbauen, was auch daran gelegen haben mag, dass ihr Tod nur einige Monate entfernt war.

So hatte ich nun als Teenager die Vögel meiner Oma “geerbt” und sie taten mir irgendwie sehr Leid, dass sie nun komplett alleine im Wohnzimmer meiner Oma ausharren mussten. Der Versuch, sie in unser Familienleben zu integrieren, in dem sie in unsere Wohnküche umzogen, schlug fehl, da meine Mutter hochgradig allergisch auf den Gefiederstaub reagierte. Denn Nymphensittiche produzieren im Gegensatz zu Wellensittichen sehr viel Gefiederstaub, weil sie sogenannte Puderdunen besitzen, deren Spitze permanent in Staub zerfällt und so zur Gefiederpflege und wasserabweisenden Wirkung beiträgt. Wellensittiche haben auch Puderdunen, aber sehr viel weniger, weil bei ihnen die Bürzeldrüse stärker ausgeprägt ist, deren Sekret einen ähnlichen nützlichen Effekt für das Gefieder hat.

Nach einigen Wochen weiteren traurigen Vegetierens entschieden wir uns für die Abgabe in einen Wildpark, der einen großen Schwarm Nymphensittiche in einer Außenvolieren hielt. Wir durften die Beiden dort gegen eine Futterspende abgeben. Ob die zwei Hübschen dort wirklich ein glückliches Leben hatten oder nicht sogar wieder in eine ähnliche Haltung wie bei uns weitervermittelt wurden, kann ich nicht abschließend beurteilen. Ich hoffe, sie hatten es besser als bei uns.

Einige Wochen später fingen zwei Arbeiter, die das Schlafzimmer meiner Eltern umbauten, einen jungen, weißen Wellensittich auf der Fensterbank. Da wir den Käfig der Nymphen behalten hatten, zog nun die scheue Lara in unsere Wohnküche. Auch diese Tatsache lässt mir heute einen kalten Schauer über den Rücken laufen, weiß ich doch nun, wie gefährlich dieser Raum für ALLE Vögel sein kann. Sei es durch Rückstände von Reinigungsmitteln oder beschichteten Pfannen – derartige Ausdünstungen können bei Vögeln, auch im Nebenraum, mit geschlossenen Türen und geöffnetem Küchenfenster- zu einem qualvollen Ersticken innerhalb weniger Minuten führen.

Wie meine ersten Wellensittiche ihr erstes Lebensjahr bei uns in der Küche überlebt haben, kann ich nicht beantworten, würde es aber aufgrund zahlreicher bekannter Todesfälle (einfach mal googeln) auch nicht mehr ausprobieren. Und auch die fettigen Dämpfe beim Kochen, waren für die empfindlichen Vogellungen sicherlich keine Wohltat. Solltest du also jemanden kennen, der seine Vögel immer noch in der Küche hält oder in einem direkt angrenzenden Raum, kläre ihn bitte auf und mach es somit besser als ich damals! Das rettet unter Umständen Leben!

Desweiteren hätten wir Lara auch nicht einfach behalten dürfen. Wir haben damals bestimmt rumgefragt, aber eigentlich wäre eine Abgabe ins Tierheim angebracht gewesen, da es sich auch bei zugeflogenen Fundvögeln um eine Fundsache handelt, die man nicht einfach als fremdes Eigentum behalten darf.

Da sich Lara partout nicht zähmen ließ, ja auch wir erlagen damals dem Irrglauben, dass man Wellensittiche besser in Einzelhaltung zähmen kann, zog im Dezember der blaue Koko aus dem Zooladen ein. Mmh, richtig mitgezählt. Man kann mit meinem Beginn meiner Vogelhalterkarriere Bullshit-Bingo spielen. Check, beliebter Fehler, check, nächstes nogo….

Aber deswegen schreibe ich dir das ja alles auf. Damit du es von Anfang an besser machen kannst oder anderen Menschen in deinem Umfeld helfen kannst, den Vögeln von vornherein ein möglichst schönes Leben zu ermöglichen.

So lebten also die ersten beiden Wellensittiche bei uns. Zugegeben, ich fand sie ziemlich langweilig. Das lag aber nicht an den Tieren, sondern an unserer miserablen Haltung.

Als Koko einige Monate später bei der Urlaubsbetreeung verstarb, zog der von ihr ausgesuchte Kimba von einer Vogelbörse ein. Kimba war bestimmt schon uralt und passte überhaupt nicht zu unserer Lara.

Daher entschied ich nach dem Umzug der Wellensittiche in mein Zimmer, dem ausgebauten Dachboden, dass noch zwei weitere Wellensittiche aus dem Tierheim einziehen sollten. Meine Mutter ermahnte mich, den kränksten und hässlichsten Wellensittich zu adoptieren. Diese Worte sollten eine solche Wirkung haben, sodass ich seitdem bei den Abgabewellis, die auch oft nicht dem Schönheitsstandard entsprechen, geblieben bin.

Mit dem Minischwarm, einem neuen passenden Käfig und zunehmend wellifreundlich gestalteter Umgebung, wuchs spätestens mit dem Einzug zwei weiterer Wellensittiche (ebenfalls aus dem Tierheim) die Faszination für das Schwarmwesen Wellensittich, der ich bis heute erlegen bin.

 

 

 

 

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