Xanthomatose

Aufrufe: 5

Mit dieser gelblich gefärbten, lederartig verdickten Hautveränderung machte ich schon bei meinem fünften Wellensittich Bekanntschaft. Lillit hatte eine riesiges Lipom am Bauch, das man aus heutiger Sicht sicherlich hätte operieren lassen können. Vor 16 Jahren war dies leider noch nicht möglich. Jedenfalls nicht da, wo ich wohnte.
Im Studium habe ich gelernt, dass solche xanthomatösen Hautveränderungen überwiegend bei Sittichen vorkommen. Wellensittiche sind überdurchschnittlich häufig vertreten.
Oft spielen Tumoren oder Hernien (Gewebebrüche) eine Rolle. Durch den Druck von innen auf die Haut reagiert der Körper mit Verfettung. So finden sich auf Zellebene dort viele Fresszellen, die das aufgenommene Fett in Vakuolen (Blasen) gespeichert haben und Cholesterinbestandteile (Fettmoleküle, die z.B. Teil der Zellwände sind).
Wenn ich in der allgemeinen Pathologie, der Lehre der Krankheiten, gut aufgepasst habe, reagieren Zellen entweder wie oben genannt durch Verfettung, weil die Durchblutung nicht mehr ausreichend gewährleistet ist oder sogar durch Absterben, was die vermehrten Cholesterineinlagerungen als Überbleibsel der Zellen in diesen Gewebeabschnitten erklären könnte.
Die Ausfällungen von Cholesterin, oft auch als Cholesterinnadeln bezeichnet, führen meist zu starkem Juckreiz. Meine Lina damals schrie wie am Spieß, wenn sie sich selbst mit dem Schnabel bearbeitete und Federn rupfte. Es muss die Hölle gewesen sein.
Eine Unterstützung der Leber durch geeignete Präparate konnte zeitweise Abhilfe schaffen. Mehr dazu unter Gesundheit und dann Leber.
Die Verbesserung des Allgemeinzustandes durch die Lebertherapie ist ein Hinweis darauf, dass die Entstehung von Xanthomen möglicherweise auch durch eine zu energiereiche Ernährung begünstigt werden kann. Als Folge derer nimmt die Leber oft Schaden.

Liegen die xanthomatösen Veränderungen über einem gut abgekapseltem Tumor würde ich aus heutiger Sicht eine chirurgische Entfernung wagen. Denn die Gefahr des Verblutens ist bei diesen Veränderungen sehr sehr hoch. Das umliegende Gewebe ist durch die Entzündung gut durchblutet und sowohl bei Lilian, Käpt’n als auch Luki kam es schon bei den geringsten Verletzungen zu heftigen Blutungen.
Luki hatte einen Flügeltumor, den ich entfernen ließ. Die OP lief gut, aber sie wachte nicht mehr auf. Der vorangegangene Blutverlust durch eine ungeklärte Verletzung an dem Tumor in der Woche zuvor mag eine Ursache gewesen sein.
Dennoch werde ich auch in Zukunft trotz des Narkoserisikos bei jedem Vogel abwägen, ob eine OP mehr Schaden oder Nutzen bringt.

Manche Lipome mit einer Xanthomatose an der Oberfläche können aber auch lange Zeit völlig unauffällig sein. Spätestens aber wenn der Vogel sich dort beißt und die Gefahr von Infektionen über ein Aufsteigen von Keimen über die Wunde in den Blutkreislauf gegeben ist, muss ein erfahrener, vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden, der gemeinsam mit dem Besitzer die beste Entscheidung für den jeweiligen Einzelfall trifft.

Vorbeugen kann man bei dieser Erkrankung der Haut nur durch gesunde und abwechslungsreiche Ernährung. Ein vollständiges Ausheilen ist mir nicht bekannt.