Wieviel Schlaf benötigen Wellensittiche?

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Wenn ich mir meine kleinen Energiebündel so ansehe, wundert es mich immer, dass sie tagsüber nicht mehr schlafen.
Meist genügt ein kleiner Power-Nap und schon geht es wieder weiter.
Bei mir funktioniert das irgendwie nicht! 😂
Diese pure positive Energie ist ein Grund, warum ich die kleinen Lieblinge gerne um mich habe!

Jeder Tag wird mit einer fetten Party gefeiert, weswegen mein Mann unseren Schwarm oft „die wilde Partygang“ nennt!
Um gesund und fit zu bleiben, brauchen unsere Wellensittiche allerdings viel Schlaf. 10 Stunden Dunkelheit in störungsfreier Umgebung sollten nicht unterschritten werden.
Dies ist einer der Gründe, warum ich mir den Traum eines Vogelzimmers erfüllt habe, weil dort nachts niemand mehr rein muss und die Kleinen so genügend erholsamen Schlaf finden können.
Als ich das noch nicht wusste, habe ich auch nachts oft noch in dem Raum gelernt, in dem die Vögel waren. Habe mich gefreut, dass sie mich mit ihrem Gebrabbel auch nachts um eins noch unterhalten.
Einen Gefallen habe ich ihnen damit nicht getan, wenn ich ihnen nicht sogar geschadet habe. :/
Als ich dann erfuhr, wie viel Schlaf die kleinen Energiebündel wirklich benötigen, war ich schockiert und habe ab da ihre Nachtruhe strikt eingehalten und bin ab 20 Uhr nicht mehr in mein Wohnzimmer gegangen, sondern habe stattdessen die Nächte am Küchentisch durch gelernt.
Außerdem habe ich durch die Regelung von Hell- und Dunkelphasen ein wirksames Instrument gegen zu viel Brutigkeit kennengelernt. Im letzten Jahr habe ich dazu viel ausprobiert und mittlerweile einen guten Weg gefunden, dass die Vögel eine möglichst lange Aktivitätsphase haben, ohne den übermäßigen Wunsch zu verspüren, Eltern zu werden.
Dazu verkürze ich den Lichttag seit Herbst langsam auf 12 Stunden, was für unseren Schwarm sehr gut funktioniert und der Tag-Nachtgleiche in Australien auch am ähnlichsten ist. 🙂

Zum Thema Brutigkeit und den damit zusammenhängenden Maßnahmen zur Regulation, empfehle ich euch meinen Blogartikel, den ich kürzlich mit den neuesten Erkenntnissen versehen habe.
https://lebensdienlich.de/brutigkeit-beim-wellensittich-ge…/

Euthanasie, Erlösen, Einschläfern

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Wir Vogelliebhaber sind uns wohl alle einig, dass Vögel Engel und Kobolde zugleich sind. 😍

Der Buchstabe E soll heute für Engel stehen.

Irgendwann ist es ja leider an der Zeit, Abschied von unseren lieben Wegbegleitern zu nehmen.
Wenn wir merken, dass sie abbauen, ist als letzter Liebesdienst oft nur eine Euthanasie möglich.
Wie jetzt in Würde Abschied nehmen?
Auf eigenem Grund darf man kleine Tiere in einer Tiefe von 70cm oder mehr begraben. Voraussetzung ist, dass sich in unmittelbarer Nähe keine Gewässer befinden.
Aus Tierschutzgründen macht diese Tiefe durchaus Sinn, denn würde beispielsweise eine Katze bei zu geringer Tiefe den Vogel wieder ausgraben, würde das immer noch enthaltene Einschlafmittel bei der Katze zu einem narkoseähnlichen Zustand führen. Wenn dies im Winter geschieht, ist ein Tod durch Unterkühlung für diese Katze durchaus möglich.
Hat man keinen Garten zur Verfügung und auch keine Freunde oder Nachbarn, die einem ein kleines Stückchen Erde zur Verfügung stellen würden, dann bleibt beispielsweise eine Sammel-Einäscherung, wenn man den Vogel dem Tierarzt überlässt.
Meist ist dafür eine kleine Gebühr fällig, die für die sogenannte Tierkörperbeseitigung erforderlich ist. Einfach mal beim eigenen Tierarzt nachfragen.
Ein Ort zum Gedenken bleibt dann aber leider nicht. Dafür gibt es spezielle Tierfriedhöfe oder Tierbestattungsinstitute, die auch Urnen für Zuhause zum Aufstellen oder sogar Schmuckstücke anbieten, die mit ein wenig Asche befüllt werden können.
Auf welche Weise man Abschied nehmen möchte und welchen Aufwand man dafür betreibt, hängt natürlich stark von der eigenen Persönlichkeit und Einstellung ab.
Ich habe das Glück, dass ich bis jetzt alle meine Wellensittiche selbst in der Erde bestatten konnte. Ich verwende dazu gerne kleine unbehandelte Holzkisten und lege meist noch ein paar Blüten mit hinein.
Momentan befindet sich auf meiner Grabstelle ein LED-Grablicht, das ich immer einschalte, wenn meine Trauer mal wieder besonders groß ist oder ich meinen Tieren ein Zeichen setzen will, dass ich sie nicht vergessen habe.

Ich habe heute dieses traurige Thema gewählt, da mein subjektiver Eindruck ist, dass die kleinen Kobolde besonders häufig in der dunklen Jahreszeit gehen. Vielleicht liegt es bei mir daran, dass v.a. alte und chronisch kranke Vögel bei mir leben, die im Sommer meist nochmal aufblühen und im Winter stark abbauen.

Ich habe in diesen Tagen das traurige Jubiläum des 40. Begräbnisses in meiner bald 17jährigen Wellensittichhaltung gefeiert.
So traurig wie das ist, bin ich doch voller Dankbarkeit, da ich jedem dieser ehemaligen Abgabe- und Tierschutzvögel ein besseres Leben bieten konnte, ihr Aufblühen im Schwarm miterleben durfte und jeden Tag mein Bestes für sie gegeben habe.
Außerdem habe ich von jedem Einzelnen viel über Haltung, Verhalten und Krankheitssymptome gelernt. Erfahrungen, die ich dadurch an euch weitergeben kann und von denen möglichst viele lebenden Vögel profitieren sollen.

Auf dem Foto hat sich Korbinian als Engelsmodell zur Verfügung gestellt! Als ich diesen Schnappschuss auf meiner Kamera entdeckte, musste ich herzhaft über diesen plüschigen und kompakten Welli-Engel lachen. Seitdem stelle ich mir genau so meinen bunten Schwarm da oben vor, der sich bestimmt auch mit euren schon vorausgegangenen Schützlingen vermischt! 🌺🌹❤️

Vitamin D und Calcium

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Vitamin D ist unter anderem wichtig für einen gesunden Calciumhaushalt.
Dieser gerät bei brutigen Hennen, aber auch bei Hähnen mit erhöhten Östrogenwerten, wie sie bei Hodentumoren vorkommen können, leicht aus den Fugen.
Der Körper setzt dann unter Östrogenwirkung mehr Calcium aus den Knochen frei. Das kann lang andauernd v.a. bei erfolgter Eiablage zu einer Schwächung des gesamten Vogelorganismus kommen. Vielen Vögeln geht es dann sehr schlecht, da der Knochen durch den Entzug von Calcium weicher wird und die Verschiebungen auf die Knochenhaut unvorstellbare Schmerzen verursachen können.
Außerdem führt eine vermehrte Östrogenwirkung zu Wassereinlagerungen im Körper. Wenn diese Ödeme z.B. in der Lunge auftreten, bekommen die Vögel Atemnot.
Bei Hähnen mit einem Sertolizell-Hodentumor können diese Symptome durch einen Hormonchip gelindert werden. Bei meinem Pauli habe ich da gute Erfahrungen gemacht.

Egal, ob Hahn oder Henne kann man über Haltung und Fütterung aber Einiges tun, um den Vogelorganismus VOR solchen Extrem-Zuständen in einem guten Ausgangszustand zu halten.

Golliwoog z.B. ist sehr mineralstoffreich, sodass dem Körper benötigte Mineralstoffe zugeführt werden können. Dennoch gilt auch hier, alles Gute in Maßen, da zu viel auch Brutigkeit fördern kann.

Eine Tatsache sollte man auf jeden Fall berücksichtigen: ohne Vitamin D kann der Körper auch noch so viel zugeführtes Calcium nicht aufnehmen. Deswegen sind korrekt angebrachte und regelmäßige getauschte Birdlamps so wichtig, denn das Vitamin D wird wiederum nur durch UV-Strahlung gebildet. Fensterglas lässt diese Strahlung nicht hindurch, sodass man bei Vögeln in Innenhaltung auf diese speziellen flackerfreien Vogellampen zurückgreifen sollte.
Ihr seht schon, dieses Thema ist sehr komplex, deswegen findet ihr weitere Blogartikel unter
https://lebensdienlich.de/golliwoog-vermehren/
und
https://lebensdienlich.de/brutigkeit-beim-wellensittich-ge…/

 

Allgemeine Untersuchung, Eingangscheck, Eingangsuntersuchung

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Meiner Meinung nach gehört zu jeder Aufnahme eines neuen Schwarmmitgliedes eine gründliche Untersuchung des Neulings durch einen vogelkundigen erfahrenen Tierarzt.
Der Tierarzt sieht sich dabei Augen, Schnabel, Wachshaut, Schleimhäute und Gefieder an. Er begutachtet die Flügel und die Ständer, betastet Bauch und Brustbein und dokumentiert jede kleine Auffälligkeit.
Viele halten den Wellensittich auch nahe an ihr Ohr um Abweichungen bei Herzschlag und Atmung festzustellen. Daher empfiehlt es sich, in dieser Situation nicht direkt irgendwelche Fragen zu stellen, damit sich der Untersucher voll und ganz auf diese leisen Geräusche konzentrieren kann.
Desweiteren wird das Gewicht ermittelt und es werden diverse Abstriche von Kropf und Kot angefertigt. Es empfiehlt sich in jedem Fall eine Sammelkotprobe, da z.B. Wurmeier nicht täglich ausgeschieden werden müssen und somit die Wahrscheinlichkeit des Nachweises steigt, wenn an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen gesammelt und luftdicht, kühl und dunkel gelagert wird.
Ob weitere Abstriche und Untersuchungen erfolgen, hängt von der ganz persönlichen Situation ab. Hier sollte man sich individuell von seinem Vogeltierarzt des Vertrauens beraten lassen und den Eingangscheck maßgeschneidert auf den eigenen Schwarm unter Berücksichtigung aller Faktoren wie z.B. das Alter des Einzelvogels um die ein oder andere Untersuchung erweitern.
Meine Standarduntersuchungen, die ich immer durchführen lasse, findet ihr hier in meinem Blogartikel:
https://lebensdienlich.de/eingangsuntersuchung-tupferproben/

Wen das Thema Circoviren etc. noch mehr interessiert, wird hier fündig. Ich habe darüber einen langen Bericht geschrieben. https://lebensdienlich.de/polyoma-circo-und-co/

Bezoar, Fremdkörper, Fasern

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Bezoare sind Ansammlungen von Fremdmaterial im Verdauungstrakt. Beim Wellensittich sind diese eigentlich immer im Kropf zu finden.
Leider entstehen Bezoare aus Materialien, die uns Menschen viel Freude für‘s Auge und den Vögeln für den Schnabel machen.
Das sind z.B. Baumwollseile, die man zum Anschrauben fürs Käfiggitter kaufen kann, aber auch beliebte Naturseile wie Sisal und Kokos. Einer meiner Hennen wurden die Hanfmatten auf der Voliere zum Verhängnis, die ich danach natürlich für immer aus dem Bereich der Vögel verbannte.
Denn die Vögel können immer wieder einzelne Fasern verschlucken, wenn sie die Materialien mit dem Schnabel bearbeiten. Für schredderfreudige Tiere sind da besser unbedruckte, saubere Pappen, Packpapier oder Kork geeignet. Achtung, letzteres nur in Maßen, da das Schreddern von Kork die Brutigkeit stimulieren kann und das unter anderem zu Rivalitäten zwischen sonst befreundeten Tieren kommen kann.
Wenn über längere Zeit immer wieder Fasern abgeschluckt werden, bilden sich im Kropf feste Anballungen, die den weiteren Verdauungsweg nicht passieren und sogar einschränken können.
Eine üble Begleiterscheinung dessen ist es, dass dieses unverdauliche Material mit dem Speisebrei zu gären beginnt und dabei Giftstoffe entstehen können, die den Vogel schwer krank machen können.
Aus diesem Grund bastele ich mein Spielzeug nur aus unbehandelten Natur-Lederschnüren, Seegras, Seglerseil, Edelstahlketten oder Stahlseilen. Man sollte unbedingt darauf achten, dass man keine verzinkten Ketten erwischt, da dies zu lebensbedrohlichen Zinkvergiftungen bei Papageienvögeln führen kann.
Jedes Material hat natürlich seine Vor- und Nachteile, aber ich wähle zumindest diejenigen, die meiner Meinung nach das geringste Risiko bergen.

Operationen

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Chirurgischer Eingriff (Operation)

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, da ich den Eindruck habe, dass viele Halter aus Angst um ihre Lieblinge wichtige lebensrettende Maßnahmen nicht durchführen lassen. 🤒
Ich betone das deshalb, weil ich schon oft eine OP als letzte rettende Chance mit sehr fraglichem Ausgang angegangen bin und sie wider Erwartens erfolgreich war und dem Vogel eine qualitative Verlängerung seiner Lebenszeit beschert hat.
Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass so mancher Vogel den Kampf dennoch verloren hat. Nichtsdestotrotz bin ich froh, es gewagt zu haben und damit die Gewissheit zu haben, meinem Schutzbefohlenen jede Chance auf eine Genesung ermöglicht zu haben.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Eingriff ist natürlich ein erfahrener, vogelkundiger (!!!) Tierarzt, der nicht nur handwerkliches Geschick für diese winzigen Patienten mitbringt, sondern auch Know-How für Vogelnarkosen, die mit denen von Säugern nicht vergleichbar sind.
Meine Lou war aber das beste Beispiel, dass sich jeder Versuch lohnt, wenn es auch nur eine geringe Chance auf Genesung gibt. Bei ihr hatten weder die Vogeltierärztin noch ich an einen positiven Ausgang geglaubt und Lou hat uns vom Gegenteil überzeugt! 😍

Der richtige Standort

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Der richtige Standort für den Käfig

Mir liegt das Thema besonders am Herzen, weil ich früher selbst viele Fehler gemacht habe, ich aber das Glück hatte, dass meine Vögel überlebt haben.
Und das ist bei der Küchenhaltung keineswegs selbstverständlich.
Vögel haben in Küchen absolut nichts verloren, da die Dämpfe von beschichteten Pfannen oder Backblechen einen qualvollen Erstickungstod innerhalb weniger Minuten hervorrufen können.
Die Berichte betroffener Halter, die nur völlig hilflos zusehen können, haben mich immer sehr traurig gemacht.
Es wurde auch berichtet, dass selbst kleinste Rückstände beispielsweise von Reinigungsmitteln wie Backofenreiniger ebenfalls zu einem schnellen Tod zuvor gesunder Vögel geführt hätten.
Mal abgesehen von diesen worst-case Szenarien ist die Küche für die Vögel auch überhaupt nicht schön.
Die zum Teil fettigen und intensiven Gerüche beim Kochen und Essen sind nichts für die frischluftliebenden Tiere.
Von Gefahren wie heiße Herdplatten, gefüllte Spülbecken etc. will ich gar nicht reden.
Und ich persönlich möchte auch in dem Raum, in dem ich meine Speisen zubereite, aus hygienischer Sicht keine Vögel haben. Vögel sind nicht stubenrein und lassen ihre Ausscheidungen überall falllen. Auch Gefiederstaub oder sogar Daunenfedern möchte ich nicht mitessen. Ich liebe meine Tiere, aber das geht mir dann aus hygienischer Sicht zu weit.
Doch ich finde, dass allein die Gründe aus Vogelsicht ausreichen, dass klar wird, dass jeder Raum in der Wohnung besser geeignet ist als die Küche!!!

Wichtig ist auch, die Vögel keiner direkten Sonne oder warmer Heizungsluft auszusetzen. Vor allem, wenn diese nicht ausweichen können, weil sie in einem Käfig oder einer Voliere eingesperrt sind.

Ist die Raumluft sehr trocken, kann ein Luftbefeuchter oder ein Luftreiniger mit Befeuchtungsfunktion Abhilfe schaffen. Ansonsten sind auch flache Tonschalen auf der Heizung geeignet, um die Luftfeuchte zumindest nicht so weit absinken zu lassen, dass die Schleimhäute austrocknen. Denn diese bieten nur einen wirksamen Schutz gegen Infektionen, wenn sie ausreichend feucht sind.

Wall-E, mein Luftreiniger mit Befeuchtungs-Funktion

Für den so wichtigen Schlaf der Wellensittiche ist auch ein Raum als Standort sinnvoll, in dem die Wellensittiche am Abend nicht mehr durch Lichtflackern wie z.B. durch einen Fernseher oder Geräusche gestört werden. Denn Schlafmangel ist bei Wellensittichen genauso schädlich wie bei uns Menschen.

Selbstverständlich sollte es mittlerweile sein, dass Beutegreifer keinen Kontakt (auch nicht in Sichtweite) zu den Wellensittichen haben sollten. Denn dies bedeutet für die kleinen Sittiche als Fluchttiere, dass sie im Dauerstress leben müssen. Ich habe einmal zwei Wellensittiche übernommen, die als einzige aus einem größeren Schwarm überlebt haben. Auf deren Zimmervoliere lungerten nämlich nach einem Umzug die Hauskatzen, was die meisten Vögel nicht überlebten. Lediglich Käpt´n ist aus dieser Haltung noch übrig geblieben. Dieses Einbein lebt dafür aber sehr glücklich seit fast zwei Jahren in meinem Schwarm.

Käpt´n

Der richtige Transport

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Tierarztbesuche im Winter

In den letzten Tagen war ich wieder oft beim Tierarzt. Ich warte gerne im Auto, wenn es die Temperaturen zulassen und wurde dort Zeuge einiger unschöner Situationen, die ich euch gerne schildern wollte.
Es fing damit an, dass ein Mann mit einem Standardkäfig auf dem Arm aus der Tür kam. Es war an dem Tag regnerisch und ein kalter Wind blies. Während der Mann in seine warme Jacke gepackt war, waren die Vögel der Witterung schonungslos ausgesetzt.
Der Käfig war für die Haltung von Wellensittichen völlig ungeeignet und doch leider erkennbar ihr alltägliches Zuhause. Der obligatorische Spiegel durfte auch nicht fehlen, obwohl der längst als tierschutzwidrig eingestuft ist, weil er neben Verhaltensstörungen auch zu gefährlichen Kropfentzündungen durch die ständigen erfolglosen Fütterungsversuche führen kann.

Kurz darauf das gleiche Bild. Diesmal mit zwei Nymphensittichen, die immerhin nicht dauerhaft in diesem Käfig untergebracht zu sein schienen. Die Frau hatte etwa 50 Meter entfernt vom Praxiseingang geparkt und schien auf dem Rückweg sichtlich überfordert.
Mein Mann stieg aus und bot ihr Hilfe an, nachdem sie den Käfig einfach fallengelassen hatte und dieser wie durch ein Wunder nicht aufgesprungen war. Sie stand etwa eine Minute neben dem Käfig und schaute sehr ungläubig ob der Tatsache, dass dieser nun neben ihr auf dem Boden stand. Hilfe wollte sie dennoch nicht.
Im Zeitlupentempo ging sie (ebenfalls schön warm angezogen) zu ihrem Auto. Stellte dort den Käfig ab und ging mehrere Male um ihr Auto. Öffnete die Tür, schloss sie wieder. Irgendwann entschied sie, die Vögel auf den Beifahrersitz zu stellen.
Eine für mich schier unerträgliche Zeit verging, bis sie die Vögel endlich im Wagen platzierte und die Tür schloss. Die Tiere waren nun zwar weiter Kälte, aber wenigstens nicht mehr diesem ekligen Wind ausgesetzt.
Ich hoffe sehr, dass die Beiden durch die Kälte und die Zugluft keinen Schaden genommen haben. Einen Grund wird es ja gehabt haben, dass sie mit ihnen zum Tierarzt ging und diese Prozedur hat ihnen bestimmt nicht zur schnellen Genesung verholfen.
Selbst in dem Fall einer Eingangsuntersuchung hat diese Erfahrung den Tieren zusätzlich zu dem unvermeidbaren Stress sicherlich nicht gut getan.

Auch der Beifahrersitz ist übrigens denkbar ungeeignet, um Tiere zu transportieren. Im Falle eines Unfalls zerdrückt der Airbag die Tiere oder sie können ernsthaft verletzt werden durch zersplitterte Teile des Transportbehältnisses.
Meine Vögel reisen deswegen entweder gut gegen Verrutschen gesichert im Kofferraum oder auf der Rückbank auf der rechten Seite in Fahrtrichtung, da dies statistisch gesehen der sicherste Platz im Auto ist.

Die normalen Käfige sind für den Transport aber auch an sich nicht sonderlich gut geeignet.
Mal abgesehen davon, dass der Tierarzt in diesen fehlkonstruierten Gitterknasten nicht gut fangen kann, bergen Einrichtungsgegenstände große Verletzungsgefahr.
Baumelnde Sachen wie Spielzeug oder Schaukeln können den Vogel durch die Erschütterungen bei der Fahrt nicht nur sehr verängstigen, sondern auch verletzen.
Kann man den Vogel definitiv nicht anders transportieren, sollten diese Dinge auf jeden Fall entfernt werden.

Sand auf dem Käfigboden bietet sich ebenfalls nicht an. Zum einen können die Käfige aufgrund der Form der Autositze nicht wirklich gerade gestellt werden, wodurch Sand auf den Sitzen vorprogrammiert ist, zum anderen kann der Tierarzt einen durch Sand verunreinigten Kot nur sehr schwer unter dem Mikroskop auf Bakterien oder Parasiten untersuchen.
Küchenrolle, Krepppapier oder wie es in den unterschiedlichen Gegenden Deutschlands auch genannt wird, sind die beste Alternative.
Der Kot kann dort leicht mit einem Tupfer entnommen werden und ist frei von Verunreinigungen.
Auf Zeitungspapier würde ich aufgrund der Druckerschwärze auch verzichten.

Es gibt auch Plastiktransportboxen in ovaler Form mit durchsichtigem Deckel, die für den Transport von Nagern meiner Meinung nach optimal geeignet sind.
Für den Transport von Vögeln finde ich sie ungeeignet, weil man von oben reingreifen muss und die Gefahr des Entwischens nicht nur beim Fallenlassen der Box groß ist.
Ich verwende diese Boxen gar nicht mehr, seitdem sich zwei meiner Hennen bei dem Versuch nach oben zu klettern, in den Belüftungsschlitzen verfangen haben und sich dabei die Krallen heftig verletzt haben. Eine Erfahrung, die ich niemandem wünsche.

Ich nehme am Liebsten faltbare Nylon-Transportboxen.
[http://lebensdienlich.de/Vogeltransporttasche]*
Diese sind extrem leicht, bei Nichtbenutzung sehr platzsparend zu verstauen und durch eine Beschichtung sehr leicht zu reinigen.
Ich brause sie nach jedem Tierarztbesuch unter dem Massagestrahl sehr heiß in der Badewanne ab und lasse sie gut durchtrocknen.
Die Grundfläche ist optimal, um dort ein Blatt Küchenrolle reinzulegen. Eine Sitzstange, die sich sehr leicht und sicher befestigen lässt, ist im Lieferumfang enthalten.
Mit einer leckeren Hirse und etwas Golliwoog sind wir abfahrtsbereit.
Die Box lässt sich durch einen Reißverschluss öffnen und schließen, sodass selbst im Falle eines Herunterfallens diese nicht aufspringen kann.
Diese Angst habe ich immer bei den normalen Gittertransportboxen gehabt, weswegen ich da die Öffnung immer mit einem Kabelbinder zusätzlich verschlossen habe.
Werden Vögel wirklich in Käfigen transportiert, dann bitte nicht oben tragen, sondern nur von unten an der Bodenschale. Wie leicht oben der Griff abfallen kann, lernte die oben beschriebene Nymphensittichhalterin.
Aber auch die Clips zur Befestigung des Gitters an der Bodenschale können leicht aufgehen und die Gefahr des Entfliegens ist groß.

Ein weiterer Vorteil der Nylonboxen, die ich verwende ist auch, dass man unter den Boden leicht eine handelsübliche Wärmflasche legen kann und diese trotzdem sicher steht.
Gerade bei diesen winterlichen Temperaturen sorgt diese Maßnahme zusammen mit einer kuscheligen Decke über der Box für etwas Ruhe und Behaglichkeit.
Die Grundform der Box, die wie eine schützende Höhle geformt ist, hilft dabei. Durch das Nylonmaterial können die Vögel nirgends mit den Flügeln hängenbleiben und sich verletzen, was bei den Gitterkäfigen bei einem panischen Vogel durchaus passieren kann.

Ich persönlich finde, dass man die Vögel darin auch super leicht fangen kann, das ist aber vielleicht Geschmacksache.
Ich möchte jedenfalls auf meine Boxen nicht mehr verzichten und bin dem Menschen, der diese entwickelt hat, von Herzen dankbar!

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